Umfrage: Gewalt an der Schule

Gewalt an Schulen geht uns alle etwas an – Ergebnis einer Umfrage an der Brede (Pädagogik -GK Jahrgangsstufe 12 / jetzt 13, Frau Ahle)

Beim Amoklauf in einer Schule in Winnenden am Vormittag des 11. März 2009 erschoss der 17-jährige Tim Kretschmer 15 ehemalige Mitschüler/innen und anschließend sich selbst.

Diese schreckliche Tat haben wir im Pädagogikgrundkurs des Jahrgangs 12 (jetzt 13), zum Anlass genommen, eine Umfrage zum Thema Gewalt in Schulen an der Brede durchzuführen. Um ein möglichst umfangreiches Ergebnis zu erzielen, haben wir rund 250 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 11, sowie einen Teil des Kollegiums zu Themen wie Erfahrungen mit Gewalt oder möglichen Präventionsmaßnahmen mittels eines von uns erstellten Fragebogens befragt.

Als erstes möchte ich erwähnen, dass sich die Definition des Gewaltbegriffs von der Unterstufe bis zur Oberstufe verändert. In den fünften und sechsten Klassen bezieht sich der Gewaltbegriff eher auf körperliche Gewalt. Ab Klasse 10 werden auch Formen der psychischen Gewalt benannt. Schülerinnen und Schüler der unteren Jahrgänge erfahren und üben eher physische, die Älteren unter uns hingegen psychische Gewalt aus. Formen verbaler Gewalt scheinen in allen Jahrgängen vorhanden zu sein und begleiten die Kinder während ihrer Schullaufbahn.

Doch nicht nur Schüler/innen sind mit Gewalt konfrontiert. So hat rund die Hälfte der männlichen Lehrer angegeben, schon einmal verbal Gewalt erfahren und auch ausgeübt zu haben. Die Lehrerinnen hingegen gaben an noch nie Gewalt ausgeübt zu haben und bis auf wenige Ausnahmen auch noch nie Gewalt in der Schule erfahren zu haben. Bei den Gründen und Ursachen für Gewalt schwankten die Antworten in allen Jahrgängen. Am häufigsten genannt wurden Rache, Spaß, Langeweile und Gegenwehr.

Ein gewisses Schuldbewusstsein zeigte sich bei allen Schülerinnen und Schülern, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die meisten plagte nach der „Tat“ ein schlechtes Gewissen. Die Lehrerschaft gab an aus Hilflosigkeit oder dem Gefühl von Ohnmacht zu handeln und ihr Verhalten anschließend ebenfalls bereut zu haben. Die Bereitschaft der Schüler/innen bei der Beobachtung von Gewalt einzugreifen ist in allen Jahrgängen erfreulich hoch, wobei sie gerade bei den männlichen Schülern besonders ausgeprägt ist. Auch das Kollegium gab an immer einzugreifen oder es zumindest zu versuchen, sobald sie Gewalt beobachten.

Auf die Frage, was die einzelnen Schüler/innen an der Ausübung von Gewalt hindere, antworteten die Schüler/innen der befragten Jahrgänge unterschiedlich. Hindert die Schüler/innen der Unterstufe noch Freundschaft und Angst daran Gewalt anzuwenden, ist es bei den älteren Schülern/innen der Respekt, die Autorität und Vorbildfunktion. Die Lehrer/innen gaben an, dass sie aus Respekt und Mitgefühl für Menschen auf Gewalt verzichten.

In der Umfrage haben wir versucht die gängigsten Präventionsmaßnahmen von Gewalt aufzulisten und sie von den Befragten als sinnvoll oder nicht sinnvoll bewerten zu lassen. Auffällig dabei war, dass die Mehrheit der Schüler/innen und Lehrer/innen, Streitschlichter, Schulpsychologen und kleinere Klassenverbände bzw. Arbeiten in Kleingruppen für sinnvoll empfanden. Die Einführung von Schuluniformen sowie härtere Strafen und Drohungen wurden von beiden Seiten als eher unsinnig bewertet.

Allgemein ist aufgefallen, dass alle Befragten eher das Gefühl hatten Gewalt zu erfahren als auszuüben, unabhängig davon ob Lehrer/in oder Schüler/in. Auch die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen aus ihrer Sicht so gut wie keine psychische Gewalt anwenden, fällt auf. Zum Abschluss möchte ich noch positiv erwähnen, dass sich alle Teilnehmer/innen der Umfrage in unserer Schule sicher und geborgen fühlen.

Im Großen und Ganzen haben sich unsere Erwartungen eines gewaltfreien Zusammenlebens unter den Schüler/innen, sowie zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen bestätigt. Die Bereitschaft möglicher Gewalt in unserer Schule entgegen zu wirken und ihr durch Maßnahmen, wie z.B. Streitschlichtern oder einer Schulpsychologin vorzubeugen ist auf allen Seiten in besonderem Maße vorhanden, so dass auch zukünftig einem friedlichen Schulalltag nichts im Wege steht.