Pater Jan Hanssens, CICM, aus Haiti zu Gast auf der Brede

Hanssens„Den Armen eine gute Nachricht!“ ist das Motto der diesjährigen Adveniat-Aktion, mit dem Thema Armut am Beispielland Haiti. Grundlage dafür ist das biblische Leitwort: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe“ (Lk 4,18).

Für die Eröffnung der Adveniat-Spendenaktion waren einige Gäste aus Haiti angereist. Deshalb konnten wir Pater Jan Hanssens an der Brede begrüßen, der einige Klassen und Jahrgänge über seine Arbeit bei der Menschenrechtsorganisation Justitia et Pax informierte.

Der Flame Jan (Jean) Hanssens wurde 1946 in Heulegem bei Brügge geboren. Als Missionar kam er 1973 nach Haiti. Er steht im Ruf, einer der besten Landeskenner zu sein. Seit 1994 leitet er die Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“. Keine ungefährliche Aufgabe in einem Land, in dem Aufstände und Revolten an der Tagesordnung sind. Mit ihren Vertretern und Filialen in allen 250 Pfarreien des Landes ist die Kommission die Liga für Menschenrechte schlechthin. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie der Reform des chaotischen Justizapparates und einer Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage in den Gefängnissen

Die Adveniat-Aktion beschäftigt sich mit den Fragen: Wie zeigt sich die Armut, aus welchen Facetten besteht sie, wie beeinträchtigt die materielle Not die Würde der Menschen und deren Entfaltungsmöglichkeiten? Wie kämpft die katholische Kirche gegen die Armut? Aber auch: welcher kulturelle und religiöse Reichtum wird der materiellen Armut entgegengesetzt? Haiti ist das Beispielland der Aktion. Der kleine Karibikstaat ist das ärmste Land Amerikas. Obwohl Haiti als erste – und höchst gewinnträchtige – Kolonie 1804 die Unabhängigkeit von Frankreich erklärte und die erste unabhängige Schwarze Republik ausrief, ging die brutale Ausbeutung des Landes und seiner Menschen unvermindert weiter. Diktatoren und korrupte Regierungen, haben die einst so genannte „Perle der Karibik“ regelrecht ausgebeutet, ohne das Land auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu machen. Der kleine Karibikstaat ist das ärmste Land Amerikas. Knapp 80 Prozent der rund 8,9 Millionen Einwohner Haitis müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Die Mehrheit lebt von der Hand in den Mund. Die Regierung ist wenig durchsetzungsfähig, weil sie nicht auf eine funktionierende Verwaltung zurückgreifen kann. Die Armee ist abgeschafft und die Polizei erst im Aufbau begriffen. Die Abholzung von Regenwäldern, die Haiti einst bedeckten, hat zu Erosionen geführt und weite Teile des Landes unfruchtbar gemacht. Ohne Wälder ist Haiti besonders anfällig für zerstörerische Wirbelstürme.

Pater Janssens verwies immer wieder auf den Zusammenhang zwischen Armut und Menschenrechtsverletzungen und hob hervor, dass Armut immer eine Frage der Beziehungen sei, der Beziehung zwischen Ländern und auch Menschen. Durch eindrucksvolle Bilder und persönliche Erlebnisse unterstricht Pater Janssens diese Informationen. Mit Hilfe der eigenen Französischkenntnisse und einer Übersetzerin kam es zu einem fruchtbaren Dialog zwischen dem Vertreter der Menschenrechtsorganisation der katholischen Kirche und Religionskursen der Brede.