„Denke nicht an das Problem, denke an die Lösung!“

Zur Nachahmung empfohlen: Melanie Dulat aus dem Jahrgang 12 stemmt ihre erste eigene Ausstellung

Die Formel für Erfolg kann so bestechend einfach sein: „Denke nicht an das Problem, denke an die Lösung!“ Melanie Dulat (Jahrgang 12) hat diese Weisheit in den vergangenen Monaten genauso konsequent wie unbeirrt beherzigt – und blickt nun mit nur 17 Jahren auf ihre erste große Foto-Ausstellung zurück.

Fasziniert ist sie von den kreativen und technischen Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalfotografie schon seit Jahren. Mit 21 großformatigen Bildern hat sie der Öffentlichkeit vor einigen Wochen im Rahmen ihrer Ausstellung „Die Welt mit anderen Augen sehen“ erstmals einen tiefen Einblick in ihre Arbeit gewährt – und das nicht etwa in abseitigen Hinterzimmern, sondern in den Räumlichkeiten der viel besuchten Sparkasse Höxter.

Dass der Weg zur eigenen Bilderschau dabei durchaus staubig und steinig ist, verschweigt Melanie Dulat nicht. Die Auswahl und das Arrangieren der Fotos, die Finanzierung des Materials, die Absprachen mit den Beteiligten: Arbeit gibt es mehr als genug. Fast wäre die Ausstellung sogar an den Kosten für die Rahmen gescheitert: „Da war ich sehr enttäuscht und fast den Tränen nahe. Aber auch solche Tiefpunkte muss es geben – und meist ergeben sich daraus ganz neue Ideen und Chancen.“ So auch in dieser Situation: Die günstigen schwarzen Pappplakate, die als Ersatz für die teuren Rahmen herhalten mussten, erwiesen sich letztlich als wesentlich praktischer und wirkungsvoller.

Schnittchen, Sekt und schöne Reden: Diese Fixpunkte einer Vernissage suchte man während der Eröffnung der Ausstellung vergeblich: „Ich wollte keinen großen Rummel und auch nicht vor so vielen Menschen frei sprechen müssen“, erinnert sich die 17-Jährige daran, dass sie die Rahmenbedingungen der Ausstellung ganz nach ihren Wünsche gestalten konnte.

Melanie Dulat gehört zu den Schülerinnen, deren Berufswunsch schon während der Schulzeit Konturen annimmt: „Modefotografie wäre eine Perspektive für mich.“ Das Festhalten schöner Momente, die nicht vergehen sollen: Anspruch und Berufswirklichkeit vereinen sich in diesem kreativen Beruf. Auf dem Weg dahin kann sie einen weiteren Erfolg verzeichnen: Beim Wettbewerb „Jugend fotografiert“ des Deutschen Verbandes für Fotografie ist eines ihrer Fotos unter die ersten zwölf Plätze gewählt worden – inklusive Veröffentlichung in der Oktober-Ausgabe der bundesweit erscheinenden Fotozeitschrift „Chip: Foto Video digital“.

Ihre ganz eigene Methode hat sie längst gefunden: Die Verbindung von Spontaneität in der Planung und fotografischer Präzision in der Ausführung, Unvoreingenommenheit in der Motivwahl und Sorgfalt in der Nachbearbeitung kennzeichnen die Arbeit Melanie Dulats und bilden nur scheinbare Gegensätze. Die Welt so nehmen, wie sie ist, statt sie angestrengt so zu machen, wie sie einem gefällt: Manchmal ist es ein Rest Popcorn, aus dem ein stimmungsvolles Bild entsteht.

Nicht anders erging es Melanie bei ihrem Bild „Freiheit“: Schon lange verfolgte sie die Idee, fliegendes Herbstlaub in ein Foto einzuflechten. Plötzlich war er da, der Moment, an dem alles passte. Sofort stellt sich die passende Fotoidee ein – und bis zum fertigen Foto dauert es anschließend nur noch Augenblicke.

Dass dieses Foto – gemeinsam mit vielen anderen – nun nicht in Melanies Privatarchiv verstauben, sondern der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte, hat in allererster Linie mit einer gehörigen Portion Mut zu tun. Was aber, wenn andere Schülerinnen und Schüler ebenfalls künstlerische oder musikalische Ambitionen haben, der Mut aber fehlt? „Als ich die Ausstellung vorbereitet habe, habe ich mir jeden Tag das Ergebnis vorgestellt. Da war die Vorfreude so groß, dass ich immer wieder aufs Neue motiviert wurde.“ Auch die Schule habe ihr mit Rat und Tat zur Seite gestanden, wichtige Tipps gegeben und die notwendigen Kontakte zur Sparkasse ermöglicht. Nachahmung, gibt Melanie Dulat ihren Schulkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg, ist also nicht nur möglich – sondern empfohlen!

Text: Kai Hasenbein

Fotos: Melanie Dulat (c)