20 Jahre Schulpartnerschaft mit der Obchodni Akademie in Prag

Anna Maria Freifrau von Haxthausen beleuchtet jüngere tschechische Geschichte

 

Anna Maria Freifrau von Haxthausen (Gut Abbenburg) blickte anhand der Geschichte ihrer Familie vor Schülern aus Prag und dem Kreis Höxter auf jene für Tschechien schicksalhaften Jahre von 1918 bis 1989 zurück. Gründung der ersten Republik (Tschechoslowakei 1918), Münchener Abkommen zur Annexion des tschechoslowakischen Gebiets durch das faschistische Deutschland 1938, Machtübernahme der Kommunisten 1948, Prager Frühling 1968, Samtene Revolution 1989: Zu diesen fünf markanten Eckdaten wusste die 1946 in Prag geborene Anna Maria von Haxthausen aus ihren eigenen beziehungsweise den Erinnerungen ihrer Eltern und älteren Geschwister fesselnd zu berichten.

Aus dem bedeutenden Adelsgeschlecht der Fürsten zu Schwarzenberg stammend, nimmt die heutige Gutsherrin auf Abbenburg nach wie vor regen Anteil an den Geschicken Tschechiens – zumal ihr Bruder, Karl Fürst zu Schwarzenberg, das Land als Außenminister mitregiert. Zu Václav Havel, dem ersten Präsidenten der Tschechoslowakei nach der Wende, hatte er in Zeiten des tiefsten Kommunismus bereits Kontakt gehabt: Als Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte ist Karl zu Schwarzenberg häufig in sein Heimatland gefahren. »Mein Bruder hat damals immer gesagt: ›Dieses System ist monolithisch. Trotzdem darf man die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich etwas verändert‹«, erinnerte sich Baronin von Haxthausen gestern in der Bredenaula. Nachdem sich diese Hoffnung erfüllt hatte, übernahm Karl zu Schwarzenberg sofort Verantwortung – erst als Büroleiter Präsident Havels und später als Außenminister. Er hat Anteile daran, dass das heutige Tschechien der Nato und auch der EU beigetreten ist. An das gemeinsame Elternhaus, Schloss Orlik am Ufer der Moldau, hat der Politiker im Gegensatz zu seiner neun Jahre jüngeren Schwester lebendige Kindheitserinnerungen. Sie war erst zwei Jahre alt, als die Familie das Land nach der Machtübernahme der Kommunisten im Dezember 1948 schweren Herzens verließ: Getarnt als Krankenbesuch beim Vater, der nach einer Meningitis allein zu einer Kur hatte ausreisen dürfen, fuhr die Mutter mit den vier Kindern und wenig Gepäck nach Österreich. Anlaufpunkt war die Großmutter in der Nähe von Salzburg. Später ist die Familie nach Wien übergesiedelt.

Heute wäre es wünschenswert, so Baronin von Haxthausen, dass es mehr Initiativen wie die Partnerschaft des Berufskollegs Brede mit der Handelsakademie in Prag gäbe. Und: Für Touristen lohne sich Tschechien – »ein wunderschönes Land mit unglaublichen Kulturschätzen« – als Reiseziel. Das bestätigen auch Hubertus Roland, Lehrer am Berufskolleg, und seine Kollegen: Herr Roland hat die Partnerschaft mitbegründet. Er war 30 Mal in Prag und schwärmt nach wie vor von dieser Stadt.

Westfalen Blatt vom 23. Juni 2011