Abenteuer Paraguay

Ich habe, zusammen mit Vivien Weise, meine Sommerferien in Paraguay verbracht.

Im Winter waren unsere Gastschwestern schon für mehr als 3 Monate hier in Deutschland.

Wir sind am 15. Juli ab Frankfurt über Sao Paulo nach Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, losgeflogen und haben dort für 6 ½ Wochen in einer Familie gelebt.

Insgesamt sind wir davon 5 Wochen auf die deutsche Goethe Schule in Asuncion gegangen.

In unserer ersten Woche dort hatten wir noch Winterferien. Ich habe viel mit meiner Gastfamilie unternommen und sie haben mir das Leben Paraguays gezeigt. Vor allem das Fußball-Gucken mit der ganzen Großfamilie war etwas Besonderes. Das Familienleben wird in Paraguay viel größer geschrieben als hier in Deutschland. Da gerade die Copa-America war, hatte Paraguay drei Spiele, während ich dort war.

Wir haben es mit allen Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen bei einer Tante zu Hause geguckt. Jeder hat eine Kleinigkeit zum Essen und zu Trinken mitgebracht. Alle haben sich vor einen Fernseher gequetscht und haben mitgefiebert.

Die Schule in Paraguay fängt eine Stunde eher an, als hier in Deutschland. Um 07.15 Uhr beginnt die erste Stunde und dauert 40 Minuten. Die ersten drei Stunden ist durchgängig Unterricht, dann gibt es eine Pause von 15 Minuten, dann wieder 2 Stunden á 40 Minuten Unterricht. Dann folgt eine 10minütige Pause. Nach dieser hatten wir noch einmal 2 Stunden Unterricht, bis es dann um 12:20 Uhr eine 40minütige Mittagspause gibt. In dieser Pause essen alle ein warmes Mittagessen. Entweder essen sie das aus der Mensa, oder die Eltern bringen ein warmes Essen in Plastikdosen. Dieses aber nur, wenn man nah an der Schule wohnt.

Nach der Mittagspause finden noch mal 3 Stunden Unterricht statt. Einmal in der Woche hat jede Klasse bis 16 Uhr Unterricht, also insgesamt 11 Stunden.

Nachmittags gibt es jeden Tag Sportangebote, an denen man freiwillig und unverpflichtend teilnehmen kann. Man kann entweder Volleyball, Handball, Fußball oder Leichtathletik machen. Dieses Angebot wird von vielen Schülern genutzt, da es vor allem unverpflichtend ist.

Nach der Schule war ich, weil meine Gastschwester und ich oft an den Sportangeboten teilgenommen haben, erst um 16 Uhr zu Hause. Danach ging das Programm sofort weiter: Montags hatten wir Personaltraining, dienstags und donnerstags Fußballtraining.

Wenn wir dann um ca. 18 Uhr zu Hause waren, wurde merriendiert. Das ist so etwas wie ein Kaffee trinken. Es gibt süße Sachen, manchmal auch ein Toast. Diese Mahlzeit wird mit der ganzen Familie zusammen eingenommen. Oft verabredet man sich auch mit Freunden zu dieser Mahlzeit.

Abendessen gab es erst um ca. 21 Uhr. Dann meistens die Reste vom Mittagessen oder etwas Frisches. Aber kein Brot.

Wir haben in der reicheren „Schicht“ von Paraguay gelebt. Dort hatte jede Familie mindestens eine Haushälterin, die alles gemacht hat. Wir hatten zu dem auch noch eine Putzfrau.

Teilweise wohnen die Haushälterinnen auch bei der Familie im Haus. Bei mir jedoch nicht. Unsere Haushälterin ist morgens um ca. halb 7 gekommen und ist abends gegen 6 Uhr wieder gegangen.

Das Essen ist im groben gar nicht so unterschiedlich wie das Deutsche. Man isst viel Fleisch mit Kartoffeln, Nudeln oder Reis.

Außerdem gibt es paraguayanische Delikatessen: Empanadas: Das sind gefüllte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen wie Fleisch oder Mais. Außerdem gibt es Soppa Paraguaya: Ein Teigauflauf aus Maismehl.

Das Wochenende in Paraguay verbringen Jugendliche tagsüber meist mit Schlafen, da man abends auf Partys geht. Besonders beliebt sind die Quinceneras: Der 15. Geburtstag ist in Paraguay etwas ganz besonderes. Eltern geben dafür bis zu 5.000 Euro und mehr aus, damit ihre Tochter einen schönen Abend hat.

Dieser Abend ist eigentlich unbeschreiblich. Der Raum ist geschmückt wie ein Prinzessinnen Zimmer. Überall Pink, lila und weiß. Ein Teil ist komplett mit Süßigkeiten und Torten für die Gäste. Viele bringen sich extra große Taschen mit, damit sie die Süßigkeiten dort rein tun können.

Auf Partys wird zu spanischem Reggeaton getanzt bis in die frühen Morgenstunden.

Die Regeln beim Autofahren werden nicht so stark eingehalten wie in Deutschland. Anschnallen tut sich eigentlich nur der Fahrer, wenn überhaupt. Sonst niemand. Auch das Fahren mit mehr als 5 Personen in einem 5 Personen-Auto ist egal. Hauptsache es passen alle ins Auto. Mein höchstes war mit 12 Mädchen und Fahrer zu einer Party.

Ein Wochenende haben wir mit allen deutschen Austauschschülern ein Ausflug nach Brasilien und Argentinien gemacht. An der Grenze befinden sich die breitesten Wasserfälle der Welt: Die Cataratas. Es war atemberaubend die Wassermengen zu sehen, die in die Tiefe stürzen.  Wir sind mit einem Boot fast in die Wasserfälle hinein gefahren und konnten alles von ganz nah betrachten.

An einem anderen Wochenende waren wir im Chaco. Das ist die „Wüste“ von Paraguay. Hier leben Mennoniten, die aus Kanada und Russland vertrieben worden sind. Sie sprechen alle platt Deutsch. Auch die Städtenamen dort sind alle Deutsch. Es war sehr aufregend, dass man mitten in Süd-Amerika ist und man in einen Supermarkt geht, wo alle Deutsch reden und einen verstehen.

Auf dem Rückweg sind wir bei einem Indianderreservat vorbei gefahren. In Paraguay gibt es noch mehrere Indianerstämme und die meisten davon sind friedlich.

Wir durften uns die Häuser von ihnen angucken und ansehen, wie sie leben. Sie leben in kleinen Hütten, die aus einem Raum bestehen. Gekocht wird vor der Hütte. Nur, wenn es kalt ist, wird in der Hütte geschlafen, sonst spielt sich das ganze Leben vor der Hütte ab. Die einzelnen Hütten stehen relativ weit auseinander. Es gibt ein großes Gebäude, was als Kirche und Gemeinschafshaus genutzt wird. Dort haben wir an einem Gebet teilgenommen und eine Tanzgruppe hat uns einen Tanz vorgeführt.

Paraguay ist ein wirklich schönes Land, doch man muss lernen, dass nicht alles so komfortabel und modern wie in Deutschland ist. Man muss offen für Neues sein, um das Land zu lieben.

Mir haben die 6 ½ Wochen dort sehr gut gefallen und ich würde jederzeit noch mal für einen Urlaub dorthin fahren.

Ich hoffe, ich konnte euch einiges über das Land und über meine Erlebnisse dort erzählen. Doch eigentlich denke ich, dass man das Leben und das Land selbst erleben muss um es wirklich zu verstehen und zu lieben!

Leonie Linhoff