Herr Behlke von der IHK informierte über die Situation am Ausbildungsmarkt

„Die Wirtschaft erwartet nichts, was ihr nicht leisten könnt!“ Mit diesen Worten machte Jürgen Behlke, Geschäftsführer der IHK Paderborn-Höxter, den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe der Höheren Handelsschule und den Jahrgängen 11 und 12 des Beruflichen Gymnasiums am Berufskolleg Brede Mut, sich auf eine der zahlreichen Ausbildungsstellen zu bewerben, welche die heimischen Unternehmen zur Verfügung stellen. Allerdings verwies er auch darauf, dass eine Untersuchung der IHK bei jungen Auszubildenden gezeigt habe, dass bei 50% der eingestellten Bewerber die gewünschte Ausbildungsreife noch nicht erreicht werde. Mängel lägen zum Beispiel in den Fächern Deutsch, wo junge Menschen an die Grenzen stießen, zum Beispiel einfache Sachverhalte angemessen und schlüssig zu erklären oder ein einfaches Kunden- oder Telefongespräch zu führen. In Mathematik sei manch ein Bewerber ohne Taschenrechner hilflos und glaube blind dessen Ergebnissen, ohne vorher durch eine kleine Überschlagrechnung die Richtigkeit des Ergebnisses zu überprüfen.

Herr Behlke wandte sich auch an die zahlreichen Eltern, ihren Kindern bei der Entwicklung der sogenannten „Soft Skills“ zu unterstützen. Der Wille, Leistung zu bringen, Pünktlichkeit, angemessene Umgangsformen und Durchhaltevermögen, also auch Rückschläge zu akzeptieren, seien ein wichtiger Baustein, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen und zu einem erfolgreichen Abschluss zu gelangen. Ferner betonte Jürgen Behlke die Teamfähigkeit, denn „Gruppenwissen“ sei ein wichtiger Faktor, um Innovationen voranzutreiben. „Einzelkämpfer haben verloren“, so Herr Behlke.

An die aufmerksam folgenden jungen Zuhörer gerichtet forderte er sie auf, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, indem sie sich in Vereinen oder auch in der Familie über das normale Maß hinaus betätigten. „Selbst wenn durch ehrenamtliches Engagement eine Note etwas schlechter ist“, so Behlke, unterscheide man sich in diesem Bereich deutlicher von anderen Bewerbern. Die Eltern forderte er auf, ihre Kinder durch gemeinsame Besuche von Betrieben oder gemeinsame Internetrecherchen auf der Homepage der Unternehmen zu unterstützen, ihre Neigungen und Stärken zu finden und die Berufe herauszufiltern, die am besten zu ihrem Kind passen. Behlke stellte dabei die besondere Bedeutung von Praktika heraus, die auch von Betrieben gewünscht würden. Am Schluss warnte er vor standardisierten Massenbewerbungen. Erfolgversprechend seien individualisierte Bewerbungen. Durch den Besuch eines Berufskollegs, so Behlke, erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in wirtschaftliche und betriebliche Zusammenhänge, die ihnen Vorteile gegenüber Absolventen allgemeinbildender Schulen bringen würden und die sie auch nutzen sollten.

Dr. Molitor, Leiter der Schulen der Brede, und Hubertus Roland, Abteilungsleiter des Berufskollegs Brede, stellten abschließend heraus, wie sich das Berufskolleg Brede im kommenden Schuljahr durch verstärkten Unterricht in den Kernfächern und Ausbau der Praktikumsangebote den Herausforderungen stellen wolle, um den jungen Menschen eine gute Startbasis in das Berufsleben zu bieten.

Text: Annette Lücht