Großartige Bilder mit dem Martin-Gauger-Preis ausgezeichnet

Schülerinnen und Schüler zweier Kunstkurse reisten zur Verleihung nach Köln

Ein Erlebnisbericht über die Fahrt der Q1-Grundkurse Kunst (Frau Ahle) zur Verleihung des Martin-Gauger-Preises zum Thema "Armut und soziale Ausgrenzung" in Köln erreichte heute die Homepage-Redaktion. Joanna Müller aus der Q1 hat die Eindrücke eines ereignisreichen Tages für uns zusammengefasst. Eine Bildergalerie ist online, weitere Bilder folgen morgen!

9.38 Uhr – Zu diesem Zeitpunkt fuhr unser Zug von Paderborn in Richtung Köln ab, wohin wir zum Oberlandesgericht zur Verleihung des Martin-Gauger-Preises 2011 eingeladen worden waren. Obwohl wir auch eine kurze Freizeit hatten, kam den meisten die Zeit in Köln wohl sehr kurz vor, wozu auch die interessante Veranstaltung beitrug, der fünfzehn Schüler und Schülerinnen sowie Frau Ahle beiwohnten; am Ende trugen wir einen Scheck über dreihundert Euro samt Urkunde davon, die Belohnung für einen ehrenvollen zweiten Platz!

Als wir um etwa 12.15 Uhr am Hauptbahnhof in Köln ankamen, hatten wir noch etwa 90 Minuten Freizeit, um uns die Innenstadt näher anzuschauen und den schönen Weihnachtsmarkt zu erkunden. Doch das war schnell vorbei und nachdem wir einen kurzen Blick in den Dom geworfen hatten, ging es auch schon weiter mit der U-Bahn zum Reichenspergerplatz, wo das Oberlandesgericht zu finden ist.

Dort angekommen, wunderten wir uns über das großartige Erscheinungsbild des Gebäudes. Natürlich hatte unsere Kunstlehrerin Frau Ahle uns schon darüber informiert, dass es eindrucksvoll aussieht, aber man musste es sich erst einmal selbst vor Augen führen.

Im Flur waren auch schon unsere Bilder ausgestellt, aber auch die künstlerischen Werke von anderen Schulen, die sich erfolgreich am Wettbewerb beteiligt haben.

Nach relativ kurzer Wartezeit wurden wir um etwa 14.30 Uhr in einen Saal gebeten, in dem die Verleihung der Preise vollzogen werden sollte.

Nach einer fantastischen, orientalisch-instrumentalen musikalischen Eröffnung durch Alexander Meyen und Debasish Bhattacharjee erfolgte die Begrüßung Reiner Lindemanns, des Vorsitzenden des Bundes der Richter und Staatsanwälte in NRW, welcher den Martin-Gauger-Preis verleiht und diese Veranstaltung zum Internationalen Tag der Menschenrechte organisiert. Ihm zufolge konnten leider keine Abgesandten des Landtages anwesend sein, da unglücklicherweise eine Versammlung in Düsseldorf stattfand; jedoch begrüßte und bedankte er sich bei den Anwesenden und richtete den Gruß von Martin Gaugers Neffen, Gerhard Martin Gauger, aus.

Dann wurde das Wort an Michaela Hofmann, der stellvertretenden Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz der Caritas Köln, übergeben, was im Folgenden etwas näher erläutert werden soll, da sie das Thema – nämlich ‚Armut und soziale Ausgrenzung‘, besonders in Deutschland – mit welchem wir uns befasst haben, weiter ausgeführt hat und einige Daten, aber auch Denkanstöße geliefert hat:

Frau Hofmann hielt einen bewegenden Vortrag über Armut und soziale Ausgrenzung, ein Problem, welches sich zunehmend in Deutschland ausbreitet. ,,Armut ist nicht vom Himmel gefallen“, erklärte sie dem gespannten Publikum. Doch, laut Frau Hofmann, bedeutet Armut nicht einfach nur, dass man weniger Geld hat, es besteht dadurch auch das Problem, dass durch materielle Mängel Beeinträchtigungen hinsichtlich des gesellschaftlichen Lebens die Folge sind. Die Zeit, die ein Mensch also in Armut verbringt, sollte daher möglichst kurz gehalten werden oder erst gar nicht aufkommen! Die Notwendigkeit wurde deutlich, dass mehr Geld in öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Ausbildung investiert werden sollte, aber auch die Familien verstärkt unterstützt werden müssen, denn besonders Kinder sind von diesen finanziellen Missständen betroffen.

Frau Hofmann sprach auch die 3000-4000 Tafelstätten in Deutschland an, in denen man für sehr wenig Geld Nahrung bekommt, die Lebensmittelläden oder Discounter nicht mehr zum Verkauf anbieten, da das Verfallsdatum kurz vor der Überschreitung steht oder bereits überschritten worden ist. Sie äußerte dazu, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, sich selbst Essen kaufen zu können, sodass es möglich sein müsste, die Tafel abzuschaffen, denn sie unterstützt nicht das Gesetz des menschenwürdigen Lebens.

Viele Kinder leben in nicht gerechtfertigten Umständen und werden dafür ausgeschlossen, auch diese Aspekte erschweren eine angemessene Bildung. Wie Frau Hofmann es ausdrückte, stellt sich die Frage: Wie soll ein Kind richtig lernen, wenn es hungrig in die Schule geht, ständig die familiären Probleme im Kopf hat und von seinen Schulkameraden gemobbt wird, weil es zerschlissene Kleidung trägt?

,,Es kommt doch nicht darauf an, was man hat, sondern darauf, wie man miteinander umgeht!“ Hier wird ein sozialer Umgang mit den Mitmenschen gefordert, der nicht auf einer materiellen Ebene basiert, sondern der das Menschliche und Nächstenliebe fordert. Passend dazu prangerte sie zuletzt konkret einen Zustand an, der sehr aktuell ist: Warum werden Banken unterstützt und ,gerettet‘, Kinder jedoch nicht?

Es wird also gefordert, dass, anstatt das Geld den Banken zur Verfügung zu stellen, man es lieber in die Kinder investieren sollte, schließlich sind sie unsere Zukunft.

Bald darauf ergriff Johannes Riedel, der Präsident des Oberlandesgerichtes Köln, das Wort. Nach einem Dank an alle am Wettbewerb teilnehmenden Schulen betonte er die unterschiedlichen Arbeiten und drückte seine Wertschätzung aus: ,,Eigentlich hätten alle einen Preis verdient!“. Zudem sprach er von der Problematik, unter diesen vielen großartigen Werken die beste Arbeit zu finden, denn nicht nur bei den Gewinnern gab es ,,hohe Qualität und einen großen Ideenreichtum“. Doch trotz der Entscheidungsschwierigkeiten hat es schließlich fünf bzw. sechs Preisträger gegeben. , deren Rangfolge, nach einem kurzen musikalischen Einschub, wieder von Herrn Meyen und Herrn Bhattacharjee, und einer Ansprache von Frau Dr. Brigitte Mandt, der Staatssekretärin im Justizministerium NRW, bekannt gegeben wurde.

In ihrer anschließenden Rede nahm Dr. Brigitte Mandts, die Staatssekretärin im Justizministerium NRW, besonders Bezug auf Martin Gauger (1905-1941), der als einziger namentlich bekannter Jurist zur Zeit des Nationalsozialismus verweigerte, den Treueeid auf Adolf Hitler zu schwören, wodurch er seinen Beruf verlor. Er stellte also seine Sorge über Recht und Gerechtigkeit über seine Karriere, verwehrte sich auch der Musterung für den Wehrdienst und wurde nach einem Fluchtversuch nach England und seiner Einweisung ins Gefängnis in Düsseldorf schließlich getötet. Besonders wegen des politischen Geschehens heutzutage, zitierte sie an dieser Stelle in ihrem Vortrag Herrn Gauger: ,,Wenn einmal der Nebel sich zerteilt hat, in dem wir leben, dann wird man sich fragen, warum nur einige, warum nicht alle sich so verhalten haben.“

Damit wird deutlich, dass man Diskriminierung, nicht nur Rassismus, nicht zulassen darf und sich dagegen wehren muss, je mehr dies tun, desto besser.

Mithilfe des Wettbewerbs mit dem Thema Armut und soziale Ausgrenzug beabsichtigte der Bund der Richter unter anderem Ideen zu sammeln, gegen eben diese Missstände vorzugehen.

Dann bedankte Frau Dr. Mandt sich bei den Teilnehmern und brachte die Würdigung, aber auch ihre Neugier auf die Arbeiten, die sie noch nicht gesehen hatte, zum Ausdruck. Schließlich wurden die Preise verliehen.

Den 2. Platz belegten dabei unsere Kunstkurse der Q1, die Frau Ahle leitet: Ende Oktober hatten wir mit der Arbeit an den Acrylbildern begonnen, führten diese in den Herbstferien eigenständig weiter, sodass sie Mitte November, auch mit Texten und themenorientierten Mappen, weggeschickt werden konnten.

Natürlich freuen wir uns sehr über diesen Erfolg und waren wohl auch etwas aufgeregt, als wird zum Abholen der Urkunde nach vorne gehen sollten. Dr. Brigitte Mandt, die den Scheck und die Urkunde übergab, sprach uns gegenüber ein außerordentliches Lob aus: ,,Ganz großartige Bilder“, meinte sie und erklärte, dass es der Jury besonders gefallen habe, dass die Bilder nicht einfach ohne Erklärung weggeschickt worden seien, sondern, dass die Motivation in den Texten dargelegt wurde und die Bilder interpretiert wurden, sodass auch Außenstehende den tieferen Sinn begreifen konnten. Außerdem fanden auch die zum Thema Armut und soziale Ausgrenzung gestalteten Mappen Anklang.

Am liebsten würden wir Kunstkurse einen Teil des Geldes spenden und den Rest für die Finanzierung weiterer Kunstprojekte nutzen, doch darüber muss unser Schulleiter Herr Dr. Molitor entscheiden, da wir im Namen der Schule an diesem Wettbewerb teilgenommen haben.

Nachdem wir unseren Preis erhalten hatten, wurde die katholische und evangelische Lerngruppe der Stufe 9 der Anne Frank Realschule aus Ahlhausen mit dem 1. Preis für ihr ‚YLOPONOM-Spiel‘, welches sie selbst, nach dem Modell von ‚MONOPOLY‘, entwickelt hatte, ausgezeichnet.

Abschließend führten Alexander Meyen und Debasish Bhattacharjee zum Ausklang ihre interessante Musik vor, welche zum kleinen Imbiss und zu weiteren Besichtigungsmöglichkeiten der Arbeiten überleitete.

Rein formell war die Veranstaltung damit beendet und um 16.49 Uhr nahmen einige Schülerinnen bereits den Heimweg aus Köln auf sich, andere hingegen blieben noch einige Zeit und verbrachten sie in der Innenstadt, vor allem um den funkelnden Weihnachtsmarkt zu bewundern. Auch wenn einige Züge Verspätung hatten, kamen die meisten gegen 22 Uhr zu Hause an, zwar relativ erschöpft von dem ereignisreichen Tag und den vielen Eindrücken, aber auch glücklich durch den Erfolg und nun im warmen Zuhause sein zu können.

Ein ganz herzlicher Dank gilt Joanna Müller (Q1) für den umfangreichen Erlebnisbericht!