Grüße aus dem 30 Grad warmen Südafrika!

Lara Micus berichtet von ihrem Auslandsaufenthalt mit dem Rotary Youth Exchange

Lara Micus, die seit vergangenem Sommer für ein Jahr in Afrika lebt, hat uns freundlicherweise einen Erlebnisbericht mit ihren bisherigen Erfahrungen zur Verfügung gestellt. Wir danken ihr an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich dafür!

Erlebnisbericht:
Ich bin mit Rotary Youth Exchange für 11 Monate in Südafrika und berichte an dieser Stelle ein bisschen über meine Leben im warmen Süden.
Am 20. Juli 2011 hieß es für mich Abschied nehmen. Ein letzter Blick über die Schulter und dann ging es durch die Tür aus Milchglas in eine neue Welt.

Jetzt sind schon über fünf Monate vergangen, seitdem ich meine gewohnte Umgebung in Höxter verlassen habe und hier in Ballito am Indischen Ozean in Südafrika ein neues Leben aufgebaut habe. Ein Leben, das ich mir vorher nie erträumt hätte.

Wenn ich jetzt zurückblicke, waren die ersten zwei Monate ziemlich hart. Ich musste mich an das Klima gewöhnen, mich in die Kultur und meine Gastfamilie einfügen, neue Freunde finden und das alles auf Englisch. In der Schule habe ich recht schnell Anschluss gefunden und die Schuluniform ist gar nicht mal so schlecht. Mit der Zeit habe ich nun auch wirklich gute Schulfreunde kennengelernt, aber mit den anderen Austauschschülern in der Gegend verstehe ich mich am besten.

Während meiner Zeit hier bin ich schon recht viel herumgereist. Mit Rotary, der Organisation, mit der ich hier in Südafrika bin, war ich auf einer zweiwöchigen Cape Tour. Wir sind mit dem Bus von Durban nach Kapstadt und wieder zurück getourt und haben das Eastern und Western Cape erkundet. Kapstadt ist ziemlich europäisch, aber es ist eine wunderschöne Stadt. Besonders Table Mountain und Cape Point haben mich beeindruckt.
Außerdem war ich vergangene Woche für ein paar Tage in Johannesburg und Pretoria, der Haupstadt Südafrikas. Dort habe ich das Apartheidmuseum besucht, welches mir einen Eindruck gegeben hat, was sich hier während der Apartheid abgespielt hat. Hinterher sind wir durch Soweto, das bekannte Township in Johannesburg, gefahren und ich muss sagen, dass es ein recht ordentliches und herrausgeputztes Township war. Ich habe während dieser Tage sehr viel Interessantes über die Geschichte Südafrikas kennengelernt.

Ich habe schon an einem sozialen Projekt von der Schule aus teilgenommen. Wir haben für das einjährige Jubiläum der Kindertagesstätte „Kwa-Mama“ im lokalen Township mit Cupcakes (Gebäck mit Ähnlichkeit zu Muffins) und guter Laune geholfen. Wir haben einen ganzen Tag lang mit den Kindern gespielt, sie geschminkt und Cupcakes verteilt. Die Armut hat mich sehr mitgenommen und als eine der Leiterinnen uns erzählte, dass dies wahrscheinlich die erste und letzte Geburtstagsfeier jedes der Kinder sei, wurde mir bewusst, was für ein Privileg es ist, jedes Jahr seinen Geburtstag mit der ganzen Familie und Freunden feiern zu können. Seit dieser Erfahrung lebe ich ein bisschen bewusster und bin noch viel dankbarer für meinen Lebensstandard.

Was die Wildnis hier in Südafrika angeht kann ich sagen: Auf meinem Weg zur Schule sehe ich keine Löwen, wir haben kein Hippo in unserem Garten und auch Elefanten laufen nicht auf der Strasse herum. Es gibt hier sogenannte Game Reserves, in denen man die Big Five und andere Tiere Afrikas während einer Safari sehen kann. Es ist total spannend, die Tiere in der Wildnis in ihrer natürlichen Umgebung und nicht im Zoo zu beobachten. Ich war schon auf drei Safaris und es ist jedes Mal aufs Neue spannend, da man immer etwas Neues und Anderes sieht.
Manchen Tieren bin ich aber auch schon sehr nahe gekommen. Ich bin in einem Käfig mit Krokodilen getaucht, habe mit Baby Cheetahs und Löwen gespielt, habe einen Strauß geritten und auch einen Tiger habe ich gestreichelt. Mein Fazit: Ein bisschen aufregender als ein Streichelzoo in einem deutschen Wildpark ;-).

Der Aspekt Kriminalität ist hier Alltag. Jedes Haus ist von einer hohen Betonmauer oder einem Metallzaun umgeben, ein Alarmsystem ist Selbstverständlichkeit und Vergewaltigungen und Einbrüche sind leider ein täglicher Vorfall. Tagsüber kann ich alleine zum Strand oder zum Supermarkt laufen oder joggen gehen, da ich in einer recht kleinen Stadt lebe, aber trotzdem bin ich vorsichtig. Viele meiner Freunde sind sehr eingeschränkt, da ihre Eltern sehr ängstlich sind. Allerdings muss man nur sehr vorsichtig sein und sich nicht in dumme Situationen begeben, d.h. von Townships fernhalten, nicht in die afrikanischen Taxis einsteigen und nachts lieber mit dem Auto unterwegs sein. Ich fühle mich hier eigentlich sicher und habe keine große Angst.

Es gibt kaum ein Wochenende, an dem ich nicht unterwegs bin. Entweder besuche ich andere Austauschschüler, reise durch das Land, bin auf einer Safari, jemand aus meinem Rotary Club lädt mich zum Essen ein oder zeigt mir etwas Neues. Langeweile ist ein Fremdwort für mich und es wird schwer sein, in sechs Monaten wieder ins Alltagsleben zu Hause einzusteigen.

Obwohl es mir hier besser als je zuvor geht, vermisse ich „Good old Germany“ und all meine Freunde und Famlie. Gerade zur Weihnachtszeit fiel es mir schwer, nicht an zu Hause zu denken, aber auch Weihnachten im Pool ist eine Erfahrung, die ich wahrscheinlich kein zweites Mal erleben werde. Die Zeit vergeht jedoch wie im Flug und deshalb genieße ich jede Sekunde im wilden Afrika.

Ich bin meiner Familie sehr dankbar mir diese Erfahrung ermöglicht zu haben und bereue meine Entscheidung ein Jahr in Afrika verbracht zu haben auf keinen Fall. Ich kann ein Auslandsjahr mit Rotary nur sehr empfehlen, denn man lernt nicht nur eine neue Kultur, Sprache und neue Leute kennen, sondern vor Allem lernt man sich selbst kennen.

Bis bald und herzlichste Grüße aus dem 30 Grad warmen Südafrika .

Lara Micus