Grüße aus dem verschneiten Quebec!

Unsere Schülerin Josefine Behler nimmt derzeit an einem Austauschprogramm der Bezirksregierung Düsseldorf teil

Aus dem verschneiten Kanada erreichten uns jetzt Grüße unserer Schülerin Josefine Behler: Sie ist im Rahmen eines Programms der Bezirksregierung Düsseldorf Austauschschülerin in Quebec, der einzigen französischsprachigen Provinz Kanadas.

Josefine schreibt in ihrem ausführlichen Brief:

„Am 7. Januar habe ich mich nach den Weihnachtsferien am Flughafen in Frankfurt verabschiedet und es ging mit Air Canada in den kanadischen Winter zu Ariane, meiner kanadischen Austauschschülerin. Sie war von September bis Dezember mein Gast und ist während dieser Zeit mit mir zur Brede gegangen. Ich soll liebe Grüße ausrichten an alle, die sie noch kennen!

Mein Aufenthalt hier dauert ebenfalls drei Monate und ist nun schon zur Hälfte um. Die Zeit vergeht so schnell, denn ich bin mit meiner Gastfamilie viel unterwegs und lerne die Familie, die Freunde und das Land kennen.

Hinsichtlich der Sprache waren die ersten zwei Wochen besonders anstrengend, denn Quebecois – so heißt das Französisch, das man hier spricht – ist recht schwer zu verstehen, muss ich sagen. Es unterscheidet sich sehr von dem „richtigen“ Französisch, das wir in der Schule lernen (Ariane würde das jetzt zensieren). Da ich selbst erst seit zwei Jahren Französisch lerne, hatte ich am Anfang schon Probleme etwas zu verstehen. Aber zum Glück habe ich Ariane. Sie gibt sich viel Mühe, immer langsam zu sprechen und auch meine Gastfamilie kümmert sich sehr um mich. Mittlerweile verstehe ich aber fast alles und kann auch schon ganz gut antworten.

Obwohl hier herrliches Wetter für Winterurlaub herrscht, müssen wir von Montag bis Freitag zur Schule. Sie beginnt hier um 8:40 Uhr, aber dafür sind wir auch erst frühestens um vier wieder zu Hause – wenn wir das umfangreiche Sportangebot im Anschluss nutzen, sogar erst um fünf Uhr. Meine Schule hier ist riesig und hat mehr als 2000 Schüler. Die Schüler können verschiedene Zweige wie z.B. Musik, Sport, Sprachen, Theater oder Kunst wählen. In den ersten drei Stunden am Morgen findet immer ganz normaler Unterricht statt und nach der einstündigen Mittagspause kommt dann der spezielle Unterricht. Ich habe für meine Zeit Musik gewählt und erhalte deshalb jetzt nachmittags Unterricht in Musiktheorie, spiele im Orchester oder habe Unterricht in den verschiedenen Instrumentengruppen.

Nachdem ich die erste Woche mit Ariane in ihren Unterricht gegangen bin, ging es in der zweiten Woche dann jedoch richtig los und ich bekam meinen eigenen Stundenplan und musste in meinen eigenen Unterricht. Am Anfang war mir doch ein bisschen „mulmig“ zumute, doch es hat dann doch gut geklappt, alle Räume zu finden und mich auf Französisch vorzustellen. Meine Mitschüler sind sehr hilfsbereit und unterstützen mich, wo es geht, damit ich vom Unterricht möglichst viel mitbekomme. Besonders im Fach „Science“ (Gemisch aus Biologie/Chemie/Physik) muss ich natürlich oft nachschlagen, damit ich etwas verstehe. In meiner Klasse habe ich zwar schnell Kontakt gefunden, aber am besten verstehe ich mich mit den Freunden von Ariane, mit denen ich in der Mittagspause immer zusammen sitze und mit denen wir uns auch oft am Wochenende treffen.

Meistens bin ich am Wochenende allerdings mit meiner Gastfamilie unterwegs. Gleich am ersten Wochenende ging es mit Schneeschuhen (hier genannt „racette“) zum Wandern in die Wildnis von Kanada. Letzte Woche haben wir Ottawa, die Hauptstadt von Kanada, besucht. Eine Freundin der Familie war unser Guide und hat uns durch die Innenstadt und das Parlament geführt. Skifahren und Schlittschuh fahren gehören im kanadischen Winter natürlich auch zum Pflichtprogramm. Es macht so viel Spaß, das neue Land kennen zu lernen und Kanada ist wirklich wunderschön.

Das kulturelle Leben ist unserem in Deutschland zwar grundsätzlich sehr ähnlich, es gibt jedoch schon einige Dinge, die anders sind, wie z.B. das Essen. Es wird grundsätzlich sowohl in der Schule zur Mittagspause als auch abends sehr viel Zeit für das Essen eingeplant. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt – und auch an den Ahornsirup. Der wird hier einfach zu allem gegessen, egal ob Crepes oder Joghurt, einfach immer ein bisschen Ahornsirup dazu, sogar in den Keksen findet man ihn.

Obwohl ich (berechtigte) Angst vor der Sprache hatte, bin ich jetzt froh, die Hoffnung, endlich etwas zu verstehen, nicht zu früh aufgegeben zu haben, denn irgendwann klappte es tatsächlich. Es ist so eine tolle Erfahrung und ich bin wirklich dankbar, dass ich eine solche Chance bekommen habe. Das Leben in einem anderen Land mit seinen Menschen richtig kennen lernen kann man sicher nur, wenn man wirklich in einer Familie lebt und so die Kultur des Landes erfährt.

Dieses halbe Jahr, das ich jetzt mit Ariane verbringe, hat schon so viel Spaß gemacht und so viele neue Eindrücke gebracht, obwohl es natürlich manchmal auch anstrengend war.

Auch selbst einen Gastschüler zu empfangen, war eine besondere Erfahrung. Das ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig und ich kann nur jedem empfehlen, einen solchen Austausch zu machen.

Danke an alle, die mir diesen Austausch ermöglicht haben: die Schule, die Bezirksregierung Düsseldorf und natürlich meine Familie.

Aber obwohl mich hier alle so herzlich aufgenommen haben, vermisse ich natürlich manchmal meine Freunde und meine Familie in Deutschland.

Ich wünsche allen, die jetzt hier lesen, noch einen schönen Winter in Deutschland und vielleicht auch noch ein bisschen Schnee. Davon haben wir hier genug, obwohl Ariane behauptet, dass es in diesem Jahr vergleichsweise wenig sei.

Bis bald!!

Viele liebe Grüße von Josefine“