Umgang mit den Inhaftierten erschütterte tief

Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 13 besuchten Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald

Am Freitag, dem 20. Januar, ging es um 8 Uhr in der Frühe für 28 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 sowie Frau Dunschen und Herrn Gockeln auf in die deutsche Kulturstadt schlechthin: Weimar. Unser Schüler Florian Ernst berichtet von seinen Eindrücken.

Gegen Mittag erreichten wir die Jugendherberge „Maxim Gorki“ (benannt nach einem russischen Schriftsteller) – und um 14 Uhr sollte eine der denkwürdigsten Stadtführungen starten, an denen wir bisher teilnehmen durften… Bei widrigen Wetterbedingungen, eisigem Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt freuten wir uns zunächst auf eine interessante Stadtführung, wobei die Erwartungen an diese doch eindeutig zu hoch gesteckt waren. Unsere Stadtführerin, Frau Geske, erteile uns erst einmal eine Lektion in deutscher Geschichte, die sich gewaschen hatte. Uns wurde unterschwellig unterstellt, dass wir eigentlich gar nichts wissen, obwohl es sich bei uns ja um zwei durchaus interessierte Geschichtskurse handelt.

Im Laufe der folgenden 90 Minuten entwickelte sich die Stadtführung zu einer Führung durch Goethes Leben in und um Weimar. Ebenso wurde die schwierige Beziehung zwischen ihm und Schiller thematisiert. Die beschauliche Innenstadt blieb während der Stadtführung leider weitgehend auf der Strecke, nicht aber die unfreundliche und manchmal sogar arrogant wirkende Einstellung unserer Stadtführerin. Bei allem Respekt, die Sache war ihr Geld nicht wert. Dennoch zollten wir ihr am Ende Applaus, eine am Ende eher höfliche Geste, bevor alle ins warme „Café am Theater“ strömten, um sich aufzuwärmen. Der Abend klang beim gemeinsamen Pizzaessen entspannt aus.

Um 10 Uhr fuhren wir dann am folgenden Samstag mit dem Bus zur auf dem Ettersberg gelegenen Gedenkstätte Buchenwald. Das Konzentrationslager Buchenwald war während der Zeit des Nationalsozialismus eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen 1937 und April 1945 als Arbeitslager betrieben. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 250.000 Menschen aus allen Ländern Europas dort inhaftiert: Menschen, die nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten, politisch Verfolgte, Gegner des Regimes, Juden und weitere Menschen, die nicht zur „Arischen Rasse“ gehörten. Die Zahl der Todesopfer wird auf insgesamt 56.000 geschätzt. Von 1945 bis 1950 wurde das ehemalige KZ Buchenwald als „Speziallager Nr. 2“ vom sowjetischen Geheimdienst „Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten“ (NKWD) zur Internierung von ehemaligen Funktionären des NS-Regimes, Wehrmachtsangehörigen und willkürlich denunzierten Personen benutzt. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers ließ die DDR-Regierung im Jahr 1958 die Gedenkstätte Buchenwald eröffnen. Heute finden sich in der ab 1991 neugestalteten Gedenkstätte Buchenwald viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.

Unsere Gruppe hatte nach der Ankunft an der Gedenkstätte zunächst Zeit, sich im Museum der alten Effektenkammer die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers anhand von Dokumenten, Plänen, Biographien von Opfern und Tätern und historischen Funden näherbringen zu lassen. Das Museum ist gut strukturiert, informativ und als Einstieg in den Besuch der Gedenkstätte sehr zu empfehlen. Um 12.30 Uhr intensivierte ein kurzer aber dennoch bewegender Dokumentarfilm, in dem auch einige Zeitzeugen zu Wort kamen, den Museumsgang.

Die nachfolgende 90-minütige Führung durch das Lager verdeutlichte drastisch, unter welch unmenschlichen Bedingungen viele der Inhaftierten geschunden und zu Tode gequält wurden. Die Schilderungen über den Umgang mit den Inhaftierten haben uns nachhaltig tief erschüttert. Besonders bestürzend war für uns der Gang durch das Krematorium, das durch seinen hohen Schornstein seine Umgebung überragte. Nach Kriegsbeginn wurden hier Woche für Woche hunderte von Häftlingen verbrannt. Mit all unseren Eindrücken bestiegen wir gegen 15 Uhr den Bus und machten uns auf den Weg in Richtung Heimat.

Text: Florian Ernst (Jgst. 13)