Wird es bald einen „China-Austausch“ geben?

Chinesische Delegation besuchte am Dienstag die Schulen der Brede und knüpfte Kontakte

Am Dienstag sprach sich unter den Schülern schnell herum, dass es etwas wirklich Besonderes gab: Eine kleine chinesische Delegation hat unsere Schule besucht! Frau Liao ist stellvertr. Schulleiterin einer sog. "Middle School" (entspricht in etwa unserem Gymnasium) in Kunming, einem "kleinen" Ort in China mit etwa 8 Millionen Einwohnern.

Das Bildungsbüro Lippe hatte die Schulen der Brede als einzigen Kooperationspartner außerhalb des Kreises Lippe für seine China-Aktivitäten ausgesucht. Schließlich sind die vielfältigen Auslandsaktivitäten der Brede nicht erst seit der Zertifizierung als Europaschule bekannt.

Frau Liao kommt von einer Schule, an der vieles ganz anders ist als bei uns; so werden an ihrer Schule etwa 3500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, für chinesische Verhältnisse eine mittelgroße Schule. Seit zwei Jahren wird auch Deutsch als zweite Fremdsprache (nach Englisch) angeboten, so dass es ein großes Interesse an einem Austausch mit einer deutschen Schule gibt. Gerade durch das Fach Deutsch, das von einem deutschen Lehrer im Auslandsdienst unterrichtet wird, konnte die Schule ihre Attraktivität in der Region sehr steigern. Beeindruckt waren die chinesischen Gäste nicht nur von unserer Schule, sondern besonders auch von unseren Schülerinnen und Schüler. „Ich sehe überall sehr freundliche Schüler, das gefällt mir,“ sagte Frau Liao bereits nach dem ersten Rundgang durch die Schule und dem Besuch in einigen Klassen.

In der Mittagspause führte sie den Lehrern einen Film vor, in dem ihre Schule ausführlich vorgestellt wurde. Es wurde deutlich, wie sehr sich die Schulen unterscheiden, aber auch, wie interessant es sein muss, dieses andersartige System genauer kennen zu lernen. Nach einem Besuch an der Weser am Nachmittag schloss sich abends ein gemeinsames Essen an, an dem auch Vertreter des Berufskollegs und zwei Schülervertreter teilnahmen. Ein erster Kontakt ist somit geknüpft; nun soll es darum gehen, weitere Schritte folgen zu lassen.

Da Frau Liao weder deutsch noch englisch spricht, waren wir an diesem Tag auf eine Übersetzerin angewiesen. Diesen Part hat Frau Zhu-Wagener übernommen, die bereits seit mehr als 15 Jahren in Deutschland wohnt. Sie unterrichtet Chinesisch in Bielefeld und bietet dieses Fach auch als Abiturfach an. Mit ihrer Hilfe wollen auch wir unser Sprachangebot erweitern: Angedacht ist zunächst eine Chinesisch-AG, die jahrgangsübergreifend angeboten werden soll.

Richtig interessant wird es aber für unsere Schülerinnen und Schüler, wenn es tatsächlich gelingen sollte, einen Schüleraustausch zu organisieren. Jeweils zwei Wochen Besuch in der Partnerschule vermitteln sicher einen intensiven Einblick in die andere Kultur, was natürlich in Zeiten des wirtschaftlichen Zusammenwachsens immer wichtiger wird. In den nächsten Wochen werden wir aus China eine Liste mit interessierten Austauschschülern erhalten. Dann suchen wir in unseren Schulen interessierte Partner, die sich zunächst über e-mail und Facebook, später dann möglicherweise auch durch gegenseitigen Besuch kennen lernen. Bis dahin sind aber noch viele Modalitäten zu klären; wichtig ist aber, dass ein erster Schritt getan ist.

Im Rahmen des Besuches gab es in Detmold auch eine Tagung, bei der nicht nur die deutschen und chinesischen Schulleitungen anwesend waren, sondern auch Vertreter der Bezirksregierung, des Landkreises und der Hochschulen. Dabei berichteten einige Schulen, die bereits seit längerem Kontakte zu China haben, von ihren Aktivitäten. Sehr deutlich wurde dabei, wie spannend eine solche Begegnung ist, aber auch, dass es möglich ist, wenn man sich einmal auf den Weg macht. Die Brede ist also auf diesem Weg und wir hoffen sehr, dass es ein langer und für alle Seiten erfolgreicher Weg sein wird.

Text: Matthias Koch; Fotos: Sebastian Beug, Kai Hasenbein