„Die Wärme und die Liebe der Kinder – unbeschreiblich!“

Lara Micus (EF) besuchte während ihres Südafrika-Aufenthaltes das Waisenheim und die Pre-School "Entuthukweni"

Vor einigen Tagen ist unsere Schülerin Lara Micus (EF) von ihrem Auslandsaufenthalt in Südafrika mit vielen einmaligen Erfahrungen im Gepäck zurückgekehrt. Auf Bitten der Homepage-Redaktion berichtet sie uns nun von einem besonders bewegenden Erlebnis: ihrer Zeit im Waisenheim und in der Pre-School "Entuthukweni", das sie für einige Tage besuchte.

„Vom 12. bis 16. März 2012 besuchte ich eine etwas andere Schule als gewöhnlich. Und zwar „Entuthukweni Pre School“ nahe Shakaskraal in einem Township.

Dort leben elf Waisenkinder und insgesamt kommen täglich 54 Kinder aus der Umgebung um unterrichtet zu werden. Die Kinder treffen zwischen 7 und 08.30 Uhr ein – je nachdem, wie weit sie laufen müssen. An regnerischen Tagen fällt die Zahl der Kinder eher klein aus, da für viele der Weg durch zu viel Wasser oder Matsch versperrt ist.

Als ich am Montagmorgen um 7 Uhr an der Schule ankam, war ich erstaunt. Es war eher ein heruntergekommenes Haus als ein Gebäude, das man als eine Schule identifizieren könnte. Jedoch hatte ich nicht wirklich etwas anderes erwartet, da in Townships starke Armut herrscht. Doch es waren bunte Bilder an die Mauern gemalt, was dem Ganzen eine etwas nettere Atmosphäre gab.

Zunächst waren die Kinder etwas schüchtern und brauchten ein bisschen Aufwärmzeit um mich kennenzulernen. Große, dunkle Kulleraugen starrten mich von allen Seiten mit Neugierde an. „Ein großes Mädchen“ kommt sie wahrscheinlich nicht alle Tage besuchen.

Ich sprach ein wenig mit der Lehrerin, Angel Matshobana, über meine Aufgaben und dann war es auch schon Zeit für den Unterricht. Es gibt nur eine Klasse und die Kinder sind zwischen 2 und 6 Jahre alt. Unabhängig vom Alter stand jedes Kind einzeln auf und zählte von 1 bis 10, listete Tiere, Farben, Wochentage, Monate und Jahreszeiten auf – auf Englisch. Keines der Kinder ist englischsprachig, da die Kultur und Sprache der Dunkelhäutigen hier in Kwa-Zulu Natal „Zulu“ ist. Deshalb war ich sehr erstaunt, dass die Kinder in dem jungen Alter schon so etwas in englischer Sprache leisten konnten.

Nach der kleinen Vorstellungsrunde war die Kreativität der Kinder gefragt. Leider gab es nicht genug Tische und Stühle für alle, also mussten einige auf dem Teppich in der Mitte sitzen. Ich teilte Papier und Stifte aus und meine Aufgabe war es, den Kindern beizubringen eine Blume zu malen. Es machte mir viel Spaß. den Kleinen zu helfen und Tipps zu geben. Am Ende der Stunde war auf jedem Blatt Papier mindestens eine Blume zu sehen und es war schön, wie sich die Kinder über ihren Erfolg freuten.

Als nächstes stand Pause auf dem Programm. Aufgeregt rannten alle nach draußen und jedes Kind machte sich über seinen kleinen Rucksack her. Der Inhalt schockierte mich zutiefst, denn er war das Gegenteil von gesund. Das Weißbrot war weiß wie Schnee und der Belag ähnelte eher einer pinken Masse als einer Wurst. Dazu gab es künstlich gefärbten Saft und Chips. Kein Wasser, kein Obst. Doch diese Lebensmittel sind die günstigsten und die einzigen, die sich ihre Eltern leisten können. Die Ernährung und Pflege spiegelte sich jedoch deutlich an den Zähnen der Kleinen wieder: voller Karies und sehr belegt. Ich kam mir schon sehr komisch, schon fast schuldig vor, als ich meine Vollkorncracker und meinen Apfel herausholte. Jedoch genoss ich mein Mittagessen an diesem Tag mit vollem Bewusstsein und realisierte, was ein Privileg es ist, sich gesund ernähren zu können.

Anschließend hieß es „Spielen und Tanzen“. Dazu versammelten wir uns alle auf dem „Spielplatz“, soweit man es so nennen kann, da es einfach nur eine freie Fläche gegenüber der Schule ist, und die Lehrerin sang traditionelle Zulu-Lieder und jedes der Kinder durfte seinen eigenen Tanzschritt vorfuehren. Es war inspirierend zu sehen, wie stolz die Zulus schon von klein auf auf ihre Kultur, besonders ihre Tänze und Musik, sind.

Was danach geschah, beeindruckte mich besonders. Eines der Kinder nahm einen Eimer und alle folgten ihm und gingen um die Schule herum, um den Müll am Straßenrand aufzusammeln. Dazu muss gesagt werden, dass die Townships hier in Südafrika sehr verschmutzt sind und man oft Müllberge am Rand der Straße sieht, da die Zulus kein wirkliches Bewusstsein für das Verschmutzen ihrer Umgebung haben.

Daher fand ich es sehr gut, dass Angel darauf Wert legte, dass die Kinder ein solches Bewusstsein entwickeln.

Als kein Müll mehr zu sehen war, war Lesestunde angesagt. Ich durfte den Kindern ein englisches Buch vorlesen. Alle hörten gespannt zu und waren sehr konzentriert, obwohl sie wahrscheinlich weniger als die Hälfte verstanden. Später erklärte ihre Lehrerin ihnen auf Zulu, wovon die Geschichte handelte.

Nach und nach wurden die Kinder nun abgeholt oder machten sich selbständig auf den Nachhauseweg.

Die nächsten Tage verliefen vom Programm her genauso wie mein erster Tag dort.

Was mich in dieser Woche am meisten prägte, war die Wärme und die Liebe der Kinder. Man schenkt ihnen nur etwas Kleines wie ein Lächeln, eine Umarmung oder eine Grimasse – und das Strahlen in ihren Augen, das man zurückbekommt, ist unheimlich erfüllend und…unbeschreiblich! Ich kann kein Wort finden, dass dieses Gefühl angemessen beschreibt.

Das Helfen in diesem Waisenhaus hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und die Lust, mehr zu helfen, in mir erweckt. Ich kam abends nach Hause und hatte viele Diskussionen mit meiner Gastmutter, die sich über Rotary und auch persönlich sehr engagiert und in der Gemeinde viel hilft. Ich spielte ganze Szenarien über soziale Projekte und Ideen in meinem Kopf ab, wägte Positives gegen Negatives ab und sprudelte nur so von Motivation.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, die mir ermöglichte meine Möglichkeiten und alle „Selbstverständlichkeiten“, wie Wasser und Brot, noch mehr wertzuschätzen und meine Ziele und Vorstellungen im Leben zu erweitern.“

Text und Fotos: Lara Micus (EF)