Leben auf Augenhöhe

Schwester Karoline schildert in Brakel ihre Arbeit in den Armenvierteln von Santiago de Chile

Brakel (Kro). Seit über 40 Jahren lebt und arbeitet die aus dem bayrischen Eichstätt stammende Schwester Karoline Mayer in den Armenviertel von Santiago de Chile, setzt sich hier für die soziale Gerechtigkeit und vor allem für die Bildung der Jugendlichen ein. Was einst mit einer Suppenküche und einer Basisstation ins Leben gerufen wurde, hat sich inzwischen zu einem großen Sozialwerk unter dem Namen „Fundation Cristo Vive“ entwickelt. Derzeit weilt die 69-Jährige in Deutschland und schaute auch in Brakel vorbei. Sie war zu Gast bei den Bredenschulen.

Seit vielen Jahren unterstützen die Schüler der Bredenschulen die Arbeit von Schwester Karoline. Aber auch die Brakeler Kommunionkinder sammeln auf dem Chile-Basar Spenden für die verschiedenen Projekte der Fundation Cristo Vive. „Schwester Karoline ist bei uns schon häufiger zu Gast gewesen, und es ist immer wieder faszinierend zu hören, was sie zu erzählen hat“, hießen Schulleiter Dr. Friedhelm Molitor und Hubertus Roland, Abteilungsleitung Berufskolleg Brede, die zierliche Ordensfrau in dem blauen Trägerkleid und weißer Bluse herzlich willkommen. Etwa 260 Schüler aus den Jahrgangsstufen elf und 12 des Berufskollegs Brede sowie den Jahrgangsstufen zehn des Gymnasiums Brede verfolgten aufmerksam den rund zweistündigen Ausführungen von Schwester Karoline, die von ihrer Arbeit im Armenvierteln und den Projekten in Chile, Bolivien und Peru berichtete. Krankenschwester, Ärztin, Lehrerin, Managerin, Theologin, Widerständlerin, Schutzengel, Hoffnungsträgerin, Brückenbauerin – all das ist Schwester Karoline in einer Person. Sie selbst sieht sich mehr als Missionarin. Ihre Arbeit ist der Einsatz für die ärmsten der Armen, das in Jesus‘ Spuren. „Jesus ist mein Meister, ihm möchte ich folgen. Das tue ich aber nicht alleine, sondern mit vielen Mitarbeitern und Helfern“, sagte Schwester Karoline. Insgesamt 500 Angestellte sowie 650 Freiwillige versehen ihren Dienst bei der von ihr 1990 gegründeten Fundation Cristo Vive in Chile sowie auch in deren Niederlassungen in Bolivien und Peru. Ausgestattet mit Ausdauer, Mut und kämpferischen Geist, setzt sich Schwester Karoline für die Bedürfnisse und die soziale Gerechtigkeit für die armen Menschen ein. Insbesondere der Glaube zu Gott und das Vertrauen der dort lebenden Menschen geben ihr die Kraft dazu. Wichtig sei, dass diese in die Projekte mit eingebunden werden. „Leben auf Augenhöhe“, nennt sie das. Denn es nütze nichts, wenn die Betroffenen am Ende die Projekte nicht mittragen könnten. Den chilenischen Staat dazu zu bringen, Verantwortung für die Armen zu übernehmen ist ihr ein großes Anliegen. „Die Armut und die soziale Ungleichheit sind ein Skandal in dieser Gesellschaft, die sich christlich nennt“, machte sie deutlich. Die Situation sei gravierend. Beispielsweise würden in Chile die Schulen von privaten Schulunternehmen geleitet – vom Staat finanziert. „Hier geht niemand auf die Schule oder Universität ohne ordentlich dafür zu blechen“. Etwa 500 bis 800 Euro müsse monatlich an Schuldgeld aufgebracht werden. Das könnten sich nur die Reichen leisten. Im letzten Jahr seien viele junge Leute aus ihrem Viertel auf die Straße gegangen, um ihr Recht auf gute Schulbildung einzufordern. Leider hätten sie sich nicht erreicht, was sie sich wünschten. Aber sie würden weiterkämpfen. Erschreckend sei auch das Einkommen der Arbeiter. Viele erhielten einen Mindestlohn von 235 Euro monatlich. Allein die Miete einer Wohnung im Armenviertel betrage schon 120 Euro. Als positiv bezeichnete Schwester Karoline Mayer, dass nach jahrelangem Streit mit der Regierung, diese jetzt vier Millionen Euro zur Finanzierung der Schulen und des Gesundheitszentrums der Fundation Cristo Vive zur Verfügung gestellt hat. „Die Dinge ändern sich. Wenn auch langsam“, meinte Schwester Karoline, die derzeit ein neues Projekt in Planung hat. Eine Herberge für die Obdachlosen soll gebaut werden. www.cristovive.de

 

Kindergärten, Kliniken und Schulen gebaut

Unter der Federführung von Schwester Karoline Mayer entstanden in Chile neun Kindergärten und -tagesstätten. Dort werden 1.000 Kindern betreut. Außerdem werden Grundschulen, ein Berufsschulzentrum gebaut, wo 1.600 junge Menschen in diesem Jahr hier ausgebildet werden. Zudem entstanden zwei Reha-Kliniken für Drogenabhänige, Frauenwerkstätten, sowie ein Gesundheitszentrum  mit Kranken- und Altenpflegeschule. Etwa 22.300 Menschen werden dort von 8 bis 24 Uhr versorgt. Auch in Bolivien sind Kindergärten, Berufsschulen und ein kleines Gesundheitszentrum entstanden. In Cusco, Peru, konnte im April ein Frauenhaus eingeweiht werden. Gleichzeitig richtete Schwester Karoline „Christliche Basisgemeinden“ ein, in denen das religiöse Leben von vielfältigen sozialen Aktivitäten begleitet wird.

 

Foto 1: Zu Gast in den Bredenschulen: Hubertus Roland, Abteilungsleitung Berufskolleg Brede und Schulleiter der Bredenschulen Dr. Friedhelm Molitor (von links) hießen Schwester Karoline Mayer in der Aula der Bredenschulen willkommen, die über ihre Arbeit und Projekte in Chile, Bolivien und Peru berichtete.