Timo Speith und Tristan Fleischhauer entscheiden Poetry Slam für sich

Dichterschlacht des Kurses "Kreatives Schreiben" begeistert Publikum - Siegergedicht nun online!

Sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt: Die Schülerinnen und Schüler des Kurses Kreatives Schreiben bewiesen in einer Dichterschlacht, dass ebendieses Fach neben Literatur, Musik und Kunst eine Zukunft hat. In einer abendfüllenden Veranstaltung präsentierten sie eine Auswahl ihrer Werke und traten in einem Poetry Slam gegeneinander an.

Während des Schuljahres füllte der 26-köpfige Kurs unter Leitung Frau Kochs das neu geschaffene Fach mit Inhalt. Die präsentierte Auswahl literarischer Texte spiegelt die kreative Bandbreite des Kurses wieder. Thematisch meist an Alltagsthemen wie die Sommerferien oder den Heimtücken des Lebens orientiert, unterhielten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Gedichten, Geschichten oder Reden das Publikum. Insbesondere Sophie Blömekes Plädoyer für mehr Individualität in der Schule rüttelte die Zuhörer auf. „Wenn man Punkte dafür bekommt, dass man Absätze lässt, dass man einen bestimmten Satz zur Einleitung schreibt, wie alle anderen auch, einen bestimmten Satz zur Überleitung, wie alle anderen auch, dann sitzen im selben Raum und im selben Moment eine Reihe Roboter einer neuen Generation in den Klassenräumen“, bewertet sie die Zentralisierung und Vergleichung in Nordrhein-Westfalen.

Im Poetry Slam, einem Wettstreit, einer Schlacht unter Dichtern, forderte auch Anke Mönikes mehr Phantasie und geistigen Einfallsreichtum in ihrem Aufruf „Schreib doch mal“. Lisa Hanisch sinniert: „Was wäre die Welt ohne Musik?“ und Arvid Weihrauch überlegt, wie wir lebten, „wenn die Erde eine Scheibe wäre.“  Natascha Flormann präsentiert ein „English poem“. „Morgen, wird alles anders“, verkündet Ella Wotschal und Timo Speith und Tristan Fleischauer erzählen eine andere, amüsantere Version des Froschkönigs. Damit sicherten sie sich knapp den Sieg vor Anke und Arvid. Wie üblich bei Poetry Slams: Das Publikum richtete und der Dezibelzähler maß die Lautstärke des Applauses.

Das Siegergedicht im Wortlaut:

Der Froschkönig einmal anders

Es war einmal, vor langer, langer Zeit,

Ein Frosch verliebte sich, doch war er bereit?

Eines Tages, ja irgendwann:

Ich hüpfte so durch die Gegend und sah einen schönen Mann

Auf einer Brücke stehend,

an ein Geländer lehnend

Die Seerosen betrachtend traf mich sein Blick

arrogant und verachtend

und weckte in mir tiefe Gefühle gewisser Gier nach der einen großen Liebe und in Großen Schlägen

brachte mein Herz mich zum Beben

Ich hörte auf mich zu bewegen;

vergaß zu atmen: oh scheiße er sieht mich – und macht mich verlegen.

Die Eigenartigkeit der Natur in ihrem Wesen

stellte schon Darwin durch Thesen

entgegen dem Glauben –

ein Wissen, was der Welt zu erlauben

scheint der Natur überlegen

sein zu müssen. –

So erblicke ich diesen Anura,

den gemeinen Frosch.

und erinnere mich an mein Matura und Darwin zurück:

„ Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Glück. –

Irgendwie… verrückt.

Dieser Mann scheint mein Leben zu sein,

ich sehe ihn an und – oh nein,

er dreht sich um, zeigt mir den Rücken,

was soll ich machen, ihn bespringen und von hinten beglücken?

Nein, ich muss ihm hinter her, doch was soll ich ihm sagen?

Ich liebe dich so sehr?

Hey, was soll das? Runter von mir.

Du verstehst nichts vom Glück, du bist nur ein Tier,

du weißt wie man frisst und wie man scheißt,

aber nicht was wahre Liebe heißt

also geh runter von meinem Rücken,

verschwind in deinem Teich und verschling wieder Mücken.

Oh nein, was hab ich gemacht,

Jetzt ist‘s vorbei, noch eh‘s vollbracht, ich hab‘s versaut,

habe um die ewige Liebe eine feste Mauer gebaut.

Wie kann ich jemals glücklich werden?

Ich sollte auf die Straße gehen und sterben.

Stopp! ich muss erst einhalten.

Frösche sind wie Menschen bloß Gestalten,

die lieben und hassen und flehen und zittern

Und zittern, ich sollte meine Liebe – twittern!

Uh, was ist das, ein Tweed?

Heißt das, dass es wahre Liebe immer noch gibt?

Darf ich auf mein Glück hoffen?

Oder ist da jemand bloß wieder besoffen?

Ja, es ist wahr, er ist für mich entbrannt,

immer für mich da, hält um meine Hand

Will mich bekochen und mich glücklich machen,

mit mir Einkaufen gehen und solche Sachen.

Einkaufen gehen?! Ich habe mich wohl verhört!

Du stellst dich an den Herd, wie sich das für einen Frosch gehört!

Wenn du meinst hier Ansprüche stellen zu müssen

Werde ich aufhören dich noch weiter zu küssen

Werde dich verbannen in deinen Teich,

Zurück zu deinesgleichen, zurück zu deinem Laich!

Aber ich dachte du liebst mich mit all meinen Fehlern und Schwächen!

Am liebsten würde ich dir alle Knochen brechen!

Wie bitte, was hast du gesagt?

Ach nichts, ich sprach in Rage und Fahrt.

Versteh einer die Männer, so oft sind sie süß doch oftmals auch Penner

Wollens Essen frisch und schnell auf den Tisch

Und wer bleibt auf der Strecke – Die Bitch

Sie kocht und näht, häkelt und brät, wischt und mäht und erntet was Mann säht.

Pudert und putzt, schludert und nutzt den Mann aus.

So funktioniert unser Haus – halt

Stopp, so geht’s nicht, merkst du noch wovon du sprichst?

Vergleichst dich mit einem Nutztier,

Dabei bringt du doch auch Bier und…

Was? Hör auf in deiner Rage,

Wir sind hier publik, das ist eine Blamage!

Lass uns so tun, zumindest zuerst.

Ich bin still und du beschwerst

Dich nicht immer hier vor den Leuten,

Damit es so scheint als würd ich dir was bedeuten.

Komm über die Straße mein Liebster und Held,

Ich bringe uns durch mit gestohlenem Geld!

Und als ich nun Springe, so sorglos sportiv,

merke ich bald ich war zu naiv

Ein Auto das kam mit Reifen so schwer

Und fiel zerdrückend über mich her.

Die Straße überquert mit Hoffnung zu Zweit

Am Ende der Frosch vom Auto zerbreit!

Die debütierenden Dichter stehen hinter ihrem Kurs Kreatives Schreiben. Als Dank für das erste Jahr als Versuchskaninchen überreichte Frau Koch ihren Sprösslingen ein Buch mit einem Großteil ihrer der Werke. Die Schüler wiederum, überreichten Frau Koch eine handverlesene Selektion bisher nicht veröffentlichten Materials, darunter das unten stehende, den Kurs würdigende Gedicht. Herzlichen Dank an Johannes Markus für die Bereitstellung des Werkes!

Artikel und Fotos: Sebastian Beug

Fotos: Sarah Ch. Koch

Der Baum, der den Krater als Nährboden nutzte

 

Ich spiele nicht Klavier, Ich spiel kein Instrument

Ich habe das Lernen von C-Moll verpennt.

Und oh Schreck, ich spiel´ nicht gern Theater

Böse Stimmen sagen: In deiner Bildung klafft ein Krater.

 

Und doch da, aus einer kleinen Lücke vom System

Sprießt ein neuer kreativer Kurs – müsste das nicht geh´n?

Wie der Trieb von einem Baume, ragt nach oben dieser Zweig

Für das Leben lernen, statt fürs Zeugnis – Und der Spaß, der ist nicht weit.

 

Und die schillernde Blüte des Zweiges zum Leben erwacht

An jenem Abend, in jener Nacht

Es ist schön, gemeinsam die Früchte ernten

Und Andere dies als einen Erfolg bewerten

 

Der Gärtner war fleißig, der Gärtner war stark

Er hat seinen Zweig vorm Veröden bewahrt

Stets war er für Neues und Mutiges offen

Und so bleibt ihm nur still zu hoffen:

 

Dass die Wurzel sich dem Gewicht des Astes angleicht

Und der Literaturkurs nicht etwas Sinnlosem weicht.