„So etwas zu erleben ist unglaublich!“

Jessine Lüke (EF), eine von sieben Teilnehmerinnen am Paraguayaustausch, berichtet von ihren Erlebnissen

Jessine Lüke (EF), eine von sieben Teilnehmerinnen am Paraguayaustausch, berichtet uns von ihren unvergesslichen Erfahrungen. Die anderen Teilnehmerinnen waren Fiona Dinand, Raphaela Hoffmann, Denise Schafer, Caroline Krätzig, Theresa Striewe (alle EF) und Friederike Frin (Q1). Sie waren insgesamt zehn Wochen in Paraguay und ihre jeweiligen Austauschpartner aus Asunción waren in der Zeit von November 2011 bis März 2012 bei uns.

„Mein Leben in Paraguay“ – Von Jessine Lüke (EF)

Vom 09.06. bis zum 18.08.2012 habe ich an dem Schüleraustausch des Colegios Goethe in Asunción, Paraguay und des Gymnasiums Brede teilgenommen. Zuerst war mein Austauschschüler im Winter für vier Monate bei mir und nun bin ich mit sechs weiteren Mädchen von der Brede für zehn Wochen in den paraguayischen Winter geflogen. Insgesamt haben 42 Mädchen und Jungen aus ganz Deutschland an dem Austausch teilgenommen.

Am 09.06.2012 ging meine große Reise los. Nachdem ich mich von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet hatte, startete das Flugzeug ab Frankfurt nach Paraguay. Nach einem 16-stündigen Flug, mit Aufenthalt in Sao Paulo, kam ich am 10.06. in Asunción an und wurden dort von meiner Gastfamilie sehr nett in Empfang genommen.

Es ging sofort los: vom Flughafen kurz nach Hause und Koffer auspacken und danach zum alljährlichen Familienfest des Colegios Goethe. Als ich im Auto saß, war mein erster Eindruck von der Hauptstadt, dass es überall viele hohe Mauern gibt, es viel ärmlicher als in Deutschland ist, es sehr viel Grün in der Stadt gibt und der Verkehr total chaotisch ist.

Die Schule ging immer von 7.15-15.10 Uhr, freitags jedoch hatte ich immer nur bis zur Mittagspause um 12.20 Uhr Unterricht. In einer Klasse sind meistens nur bis zu 20 Schülern, was im Gegensatz zu unserer Schule ein großer Unterschied ist. Vor allem auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist viel vertrauter und schöner in Paraguay als in Deutschland. Auch wird auf dem Colegio Goethe Schuluniform getragen. Wir durften uns die Uniform auch kaufen oder aber eine lange Hose mit einem T-Shirt tragen.

Von der Schule aus haben wir mit allen Deutschen zwei Wochenendausflüge und einen Tagesausflug gemacht. Der erste Ausflug führte uns zu den Wasserfällen. Zuerst haben wir den Staudamm Itaipú besichtigt, waren im Zoo und im Museum und danach sind wir nach Ciudad del Este gefahren, wo wir am Samstagmorgen um 5 Uhr fast alle shoppen waren. Danach ging es nach Argentinien in den Vogelpark und am Sonntag waren wir schließlich in Brasilien bei den Wasserfällen. Obwohl es den ganzen Tag geregnet hatte, war es unglaublich schön und nach der Bootstour, wo wir bis zu 2 Meter nah an die Wasserfälle herangefahren sind, waren wir eh alle von oben bis unten nass.

Der zweite Ausflug war der Chaco-Ausflug. Zuerst haben wir alle zweieinhalb Tage in einer Gastfamilie in Loma Plata gelebt. In der dortigen Kolonie sprechen die meisten Leute Plattdeutsch. Unsere dortigen Austauschschüler gaben eine Willkommensfeier für uns. Einen Tag bin ich in die dortige Schule, die von 6.50 – 12.00 Uhr dauert, gegangen, war auf einem Volleyballtunier und bin Motorrad gefahren. Nach den Tagen in der Gastfamilie sind wir mit allen Deutschen in ein Hotel für weitere zweieinhalb Tage gefahren. Wir haben uns eine Milchfabrik, ein Museum und kleine Läden angeschaut. Auf dem Rückweg dieses Ausfluges fuhren wir bei einem Indianerstamm vorbei, die eine Messe für uns vorbereitet hatten und uns im Anschluss Taschen und Röcke verkauft haben. Auf diesem Ausflug war es immer 30 Grad warm.

Auf dem Tagesausflug fuhren wir nach Aregua, wo man buntbemalte Vasen, Töpfe, Tontiere, etc. kaufen konnte. Danach haben wir uns noch eine Kirche angeschaut und haben den Rest des Tages an einem Fluss und einem kleinen Wasserfall verbracht, wo wir uns alle gesonnt haben.

Mit meiner Gastfamilie war ich drei Tage auf ihrer Farm im Chaco, ein paar Tage in ihrem Ferienhaus in Asunción, in Encarnación, in Aregua, im Zentrum von Asunción, im Kino, etc. Ich hatte super viel Spaß mit ihnen und tolle Momente.

Mit meinen Freunden war ich auf Quinceaneras (das ist der 15. Geburtstag eines Mädchens. Dafür wird bis zu 30.000 Euro ausgegeben. Security-Männer, Köche, laute Musik, riesengroßer Raum, bis zu 400 Gäste, Mädchen tragen Kleider und Highheels und die Gastgeberin ein weißes Kleid), shoppen gewesen, auf Partys, ich habe mit ihnen in der Schule die Pausen zusammen verbracht.

Am Ende meiner Zeit in Paraguay habe ich mich sehr auf mein Zuhause gefreut, aber ich war auch sehr traurig, dass ich meine nette Gastfamilie verlassen musste, da ich mit ihnen tolle Momente erlebt habe und eine gute Beziehung zu ihnen hatte. Außerdem musste ich mich auch von meinen deutschen Freundinnen, die aus anderen Städten aus Deutschland kommen, verabschieden. Sie waren auch wie Familienersatz für mich.

In Paraguay habe ich viel über die Kultur und die Menschen, das typische Essen und über die Unterschiede von Arm und Reich gelernt. Außerdem habe ich eine neue Sichtweise auf Deutschland und auch auf viele andere Sachen bekommen.

Der Unterschied zu Deutschland liegt darin, dass in Paraguay eine große Kluft zwischen Arm und Reich herrscht. Es gibt riesige Bonzen-Häuser mit Mauern drumherum, Pool und Wachmännern und eine Straße weiter ein Armenviertel, in dem die Menschen fast nichts haben. Schon die kleinsten Kinder gehen auf die Straße/an die Ampel um Sachen zu verkaufen. Trotzdem sind sie einfach total glücklich und zufrieden mit dem, was sie haben. Geld macht nicht glücklich, habe ich gelernt.

Insgesamt scheint es, als wären die Familien in Paraguay glücklicher und fröhlicher, es herrscht eine liebevollere Gemeinschaft. Die Paraguayer sind sehr offen und die Deutschen verschlossen. Das hat hier jeder festgestellt.

Ich schätze jetzt an Deutschland die Freiheit, einfach auf die Straße gehen zu können, die Sicherheit (auch im Straßenverkehr), die medizinische Versorgung, einfach vieles, was ich zuvor nicht so wahrgenommen habe oder als normal angesehen habe. Ich denke, solch etwas versteht man wirklich nur, wenn man es selbst erlebt hat. Denn in Deutschland ist es nicht so, dass der Präsident innerhalb von zwei Tagen abgesetzt wird und ein neuer kommt, mit vielen Demonstrationen.

Paraguay war für mich eine gute und für immer im Gedächtnis bleibende Erfahrung, die man wertschätzen sollte. So etwas zu sehen und zu erleben ist unglaublich. Mir hat es richtig gut gefallen, ich hatte eine tolle Gastfamilie, ich habe neue, super Freundinnen gefunden. Auch das Essen, wie Sopa Paraguaya und Empanadas, war echt gut.

Diese Zeit war super, ich habe viel gelacht, tolle Momente erlebt und ich werde sie niemals vergessen. So etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal!

Jessine Lüke (EF)