Von den Anden direkt nach Ostwestfalen

Julián Marcelino Cruz Alarcón besucht das Gymnasium Brede

dsc_0052_2Dass er jemals nach Deutschland kommen würde, hatte Julián Marcelino Cruz Alarcón selbst in seinen kühnsten Träumen niemals zu hoffen gewagt. Dieser ungeträumte Traum wurde jetzt realisiert durch die Adveniataktion.

Senor Cruz ist ein Aymara, das ist die größte indigene Volksgruppe in den Hochanden im Westen Boliviens.  In seiner Heimat Bolivien, genauer in der Erzdiözese La Paz,  ist Cruz Korrodinator von 60 Basisgemeinden. Aufgrund dieser Aufgabe wurde er von Adveniat eingeladen, nach Deutschland zu kommen und hier von seinen Erfahrungen zu berichten.

Die Situation der Christen in Bolivien ist  nicht immer einfach. Gerade in den Anden, in denen es keine Kirchengebäude gibt und Gemeinden keine Häuser haben, findet sich auch selten ein Priester ein. Dennoch versuchen Christen, ihren Glauben zu leben. Dies tun sie – nach dem Vorbild der ersten Christen – in kleinen Hausgemeinden von 8, 10 max. 15 Personen. So bunt und vielfältig wie diese Gemeinden sind auch die Gottesdienste, die sie miteinander feiern. Meist beginnt die Gruppe mit einem Gebet und Liedern, selten ist ein solches Treffen programmiert, wie wir es von Deutschland her kennen. Vielmehr geht man hier auf die Bedürfnisse der einzelnen ein. Worüber gesprochen wird, ergibt sich oft erst zu Beginn des Zusammenkommens. „Mal möchte jemand den Rosenkranz beten, mal spürt jemand Ungerechtigkeiten in seiner Umgebung, mal geht es um die Krankheit eines Gemeindemitgliedes“, so Senor Cruz. Wichtig für die Basisgemeinden ist, dass das Evangelium und das persönliche Leben zusammengehören, dass die Gemeindemitglieder nicht nur „Menschen des Gebetes und des Gottesdienstes sind, sondern dass sie vielmehr Zeugnis geben von ihrem Glauben auch außerhalb der Kirchengebäude“, so Julián Marcelino Cruz Alarcón.  Dass man dabei auch politisch aktiv wird, ist für die Basisgemeinden selbstverständlich. Jüngstes Beispiel dafür ist der Marsch der Tieflandindios nach La Paz, bei dem sie selbstverständlich auch von den kirchlichen Basisgemeinschaften aufgenommen, unterstützt und vepflegt wurden.

Die Basisgemeinden verbinden demnach Bibellektüre, Gottesdienst, Gebet und ihr geistliches Leben mit gesellschaftlichem Engagement. Vielleicht können uns diese mitgeteilten Erfahrungen auch in Deutschland Wege aufzeigen, wie Kirche vor Ort lebendig sein und werden kann.