„Breden-Rede“ vom 20. März 2013

Das Verhältnis zwischen Christen und Juden ist fast 2000 Jahre lang durch Missgunst, Diffamierung und Ablehnung geprägt. Juden haben – so wurde ihnen vorgeworfen – Jesus, Gottes Sohn und damit Gott selbst, umgebracht und waren sehr häufig für alle negativen Ereignisse verantwortlich. Umso erstaunlicher ist der Wandel, der nach dem 2. Weltkrieg einsetzte und in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ ihren verbindlich positiven Ausdruck fand.

Dies war das Thema der „Breden-Rede“ von Professor Maria Neubrand am 20. März 2013. Dr. Martina Aufenanger stellte hierfür Prof. Neubrand, die erste Rektorin der Theologischen Fakultät in ihrer 400-jährigen Geschichte, vor. Mit 20 Jahren trat sie in den Orden der Missionarinnen Christi ein und war in Jerusalem, dem Kongo und der Türkei tätig. Seit 2005 lehrt sie in Paderborn Theologie, seit 2011 ist sie zudem Rektorin der katholischen Fakultät.

Nostra Aetate hat, so Neubrand, eine Vorgeschichte. Papst Johannes XXXIII. leitete diesen Wandel ein, Papst Paul VI. reiste als erster Papst nach Israel. In der Konzilserklärung selbst wird insbesondere die gemeinsame Wurzel von Judentum und Christentum herausgestellt, so, wie das schon der Apostel Paulus dargelegt hat. Ebenso wird in dieser Erklärung betont, dass Jesus, Maria, die Apostel und die meisten Jünger „dem Fleische nach“ Juden sind.

Auch der Papst Johannes Paul II. betonte immer wieder die gemeinsamen Wurzeln von Judentum und Christentum. Seine Wertschätzung des Judentums brachte er zum Ausdruck durch den Besuch der Synagoge in Rom.

Nach dem Vortrag ging Prof. Neubrand noch auf Fragen der Zuhörer ein. Diese drehten sich besonders um lehramtliche Verlautbarungen in den Jahrzehnten nach dem Konzil und die Frage, wie die christlich-jüdische Zusammenarbeit derzeit konkret aussehen kann. Einen wichtigen Anteil an einem geschwisterlichen Umgang von Juden und Christen miteinander hat nach Neubrand gerade auch der Religionsunterricht, der Schülerinnen und Schülern verdeutlicht, dass Jesus als Person und Lehrer nur in seinem jüdischen Kontext verstanden werden kann.