„Das Fordern der Eltern muss mit dem Fördern einhergehen!“

Jan-Niklas Spiegel (Q2) nahm als Referent am Bundeskongress der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) teil

»Eltern sollten Schule nicht zu wichtig nehmen. Sie sollten das Kind in den Mittelpunkt stellen und nicht den schulischen Erfolg« - das ist eines der Ergebnisse des Bundeskongresses der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) in Fulda. Er stand unter dem Thema »Leistung ohne Druck?! Spagat zwischen Fordern und Fördern«. Zu den Referenten gehörte auch Jan-Niklas Spiegel vom Gymnasium Brede.

Die Referenten Michael Felten (von links), Lehrer und Autor aus Köln, Jan-Niklas Spiegel von den Schulen der Brede, die Bundesvorsitzende Marie-Theres Kastner, die Referentin Christine Henry-Huthmacher von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin, Professor Dr. Rainer Dollas, Bildungspsychologe aus Bielefeld sowie der Kinder- und Jugendarzt Dr. Peter Seidl aus Waldkirchen.
Die Referenten Michael Felten (von links), Lehrer und Autor aus Köln, Jan-Niklas Spiegel von den Schulen der Brede, die Bundesvorsitzende Marie-Theres Kastner, die Referentin Christine Henry-Huthmacher von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin, Professor Dr. Rainer Dollas, Bildungspsychologe aus Bielefeld sowie der Kinder- und Jugendarzt Dr. Peter Seidl aus Waldkirchen.

»Mein Vater arbeitet im Vorstand der KED mit. Als dann dort die Idee aufkam, zu dem Kongressthema auch einen Schüler einzuladen, kam er auf mich«, berichtet Jan-Niklas. In Fulda berichtete er vor mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland über seine bisherige Schulzeit. Als Fazit zog er mit Blick auf das Thema, dass das Fordern – insbesondere auch im Elternhaus – immer auch mit dem Fördern einhergehen müsse. In diesem Zusammenhang stellte er ebenfalls die Angebote der individuellen Förderung an den Bredenschulen heraus. Auch bei den Schülern sei die Einstellung wichtig. »Er muss sich darüber im Klaren sein, was er erreichen möchte und wie er seine Träume verwirklichen kann«, sagte Jan-Niklas.

In seinen etwa 20-minütigen Ausführungen stellte er auch den Schulsanitätsdienst der Bredenschulen vor und berichtete, dass auch hier gelegentlich Schülerinnen und Schüler mit Anzeichen von Überforderung und Leidens unter zu hohem Druck zum Beispiel über Bauch- oder Kopfschmerzen klagten. Im Anschluss stand er für Fragen zur Verfügung. »Ich fand die Veranstaltung sehr gut und konnte auch über den Vortrag hinaus viele interessante Gespräche führen«, zieht Jan-Niklas ein positives Fazit des dreitägigen Bundeskongresses zum Thema Leistungsdruck.

jns_3»Wir haben uns durchaus selbstkritisch mit unserer Rolle als Eltern auseinandergesetzt, nehmen aber auch alle anderen am Schulleben Beteiligten in die Pflicht«, erklärte dazu die KED-Bundesvorsitzende Marie-Theres Kastner. Dazu gehöre für die KED, dass das Schulsystem mit seinen vielfältigen Möglichkeiten der Bildung in der Öffentlichkeit besser vermittelt werden müsse. »Das Abitur an einem Gymnasium muss nicht in jedem Fall am Ende einer Schulkarriere stehen«, sagte sie. In Deutschland sei glücklicherweise ein System vorhanden, das die individuellen Fähigkeiten der Schüler berücksichtige und auch in späteren Lebensphasen noch alle Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung biete. Leider sei das zu wenig bekannt. Hektik und Aktionismus seien hier fehl am Platz und erzeugten unnötigen Druck. »Sowohl Familie als auch Bildung brauchen Zeit, denn Bildung basiert auf Bindung an verlässliche Personen. Diese Zeit sollten sich alle nehmen«, erläuterte die Bundesvorsitzende.

Dabei seien Schülerinnen und Schüler immer auch auf glaubwürdige und kompetente Erwachsene angewiesen. Das betonten auch die Referenten während des Kongresses. Professor Dr. Rainer Dollase, emeritierter Psychologie-Professor der Universität Bielefeld, mahnte darüber hinaus Veränderungen an. So müssten Schüler in die Lage versetzt werden, ein korrektes Bild auf sich und die Welt haben. Dazu gehöre auch eine realistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit: »Handwerker dürfen nicht aus Schulversagen entstehen. In einer Gesellschaft brauchen wir alle: Handwerker wie Akademiker.«

»Der Wert eines hohen Bildungsabschlusses ist keine Bescheinigung einer geglückten Erziehung«, mit dieser Feststellung riet auch die Referentin Christine Henry-Huthmacher, Koordinatorin für Bildungs-, Familien- und Frauenpolitik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung , Eltern zur Zurückhaltung. Dass hier das richtige Maß gefunden werden muss, betonte Michael Felten, Lehrer und Autor aus Köln: »Kinder haben oft eine größere Fähigkeit Belastungen zu ertragen, als Eltern glauben.« In Workshops haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses die Themen darüber hinaus unter diversen Aspekten beleuchtet.

»Allen gemein ist die Notwendigkeit der Wertschätzung von Menschen unabhängig von ihrem Beruf und Schulabschluss«, fasste Marie-Theres Kastner zusammen. Sie ermuntert Eltern dazu, dem Nachwuchs zu vermitteln, dass Erfolg Freude macht und meistens auch mit Anstrengung verbunden sei. Dabei sollten Eltern das Fordern keinesfalls in den Hintergrund stellen. Dieses müsse aber immer begleitet sein vom Fördern und ermutigender Begleitung sowie einer realistischen Einschätzung der Möglichkeit des einzelnen Kindes.

Was ist die KED?

Die KED ist ein Zusammenschluss von zehn Landesverbänden, 22 Diözesanverbänden und zwei weiteren katholischen Elternorganisationen. Auf der Basis ihrer christlichen Wertevorstellungen unterstützt die KED Eltern bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder und bei der Erziehungspartnerschaft in Kita und Schule. Sie leistet Lobbyarbeit für Eltern bei der gesellschaftlichen Teilhabe in Bildungsfragen zum Wohle der Kinder.