Europa zu Gast an den Schulen der Brede

COMENIUS-Projekt “Different Cultures on European Stage“ wurde bei uns in Brakel eröffnet

Der Startschuss für das dritte COMENIUS-Projekt “Different Cultures on European Stage“ an den Schulen der Brede ist gefallen. Der Auftaktbesuch für das zwei Jahre andauernde Projekt fand in Deutschland an den Schulen der Brede statt. Hier der Bericht der COMENIUS-Gruppe:

Sonntag, 03. November 2013: “Different cultures meet in Germany” – Arrival in Germany

Auch das kalte, nasse Novemberwetter konnte uns am Sonntag nicht davon abhalten, mit vier Schülern und Frau Mattern um 15.34 Uhr in den Zug nach Paderborn zu steigen, um die rumänischen, bulgarischen, polnischen und griechischen Gastschüler und ihre Lehrer abzuholen. Bewaffnet mit einer großen Europaflagge warteten wir dann etwa 20 Minuten am Bahnhof in Paderborn, und dann war es auch schon so weit: Endlich stiegen alle aus dem Zug, und nach anfänglicher Schüchternheit wurden schließlich die ersten Kontakte geknüpft. Um 16.55 Uhr nahmen wir alle aufgeregt schwatzend den Zug zurück nach Brakel. Dort wurden die Gastschüler von den anderen COMENIUS-Gastgebern abgeholt und mit in ihre Familien genommen. Die finnischen Schüler waren bereits einen Tag vorher in Brakel angekommen.

Theresa Brautlecht

 

Montag, 04. November 2013: “Who are you?” – Getting to know each other and starting the project

Am ersten Tag nach der Ankunft der COMENIUS-Mitglieder trafen wir uns gleich morgens in der Schule. Alle waren neugierig auf die Austauschschüler der anderen. Zunächst begrüßte unser Schulleiter Herr Koch die anwesenden Gastschülerinnen und -schüler und ihre 13 Lehrerinnen und Lehrer und versorgte jeden von ihnen mit einem Bredenkugelschreiber. Zudem wurden Gastgeschenke zwischen den Schulen ausgetauscht.

Alle Schüler hatten über ihre Schule und ihr Land Präsentationen erstellt, die in den ersten beiden Stunden vorgestellt wurden. Dabei ging es meistens um das Schulsystem oder um die Merkmale des jeweiligen Landes. Es gab jedoch nicht nur normale Präsentationen, sondern einige hatten die Idee, sich mit einem Video vorzustellen, was alle zum Lachen gebracht hat. In diesen zwei Stunden hat man schon viel über die anderen Schüler und ihre Länder gelernt.

Nachdem wir eine Stunde Kennenlernspiele gemacht hatten, gingen die Lehrer in einen anderen Raum, um sich zu besprechen. Zurück blieben ein paar deutsche Schüler und alle Gastschüler. Nun machten sich die vier ausgelosten Logo-Gruppen und die Website-Gruppe zusammen mit den von Frau Mattern erwählten Gruppensprechern an die Arbeit.

“I really like this German potato salad!“ Beim Cultural Evening in der Pausenhalle flatterten nicht nur alle Flaggen der EU-Länder, sondern es durfte auch das Essen aus den verschiedenen Ländern probiert werden. Jeder hatte etwas aus seinem Land zum Essen beigesteuert. Dazu grillten Anna-Maria und Elisa im Regen echte deutsche Grillwürstchen.

Gegen 19 Uhr wurde dann der Tanz in der Aula eröffnet. Es ertönte nicht etwa, wie man glauben könnte, Discomusik, sondern es wurden traditionelle Tänze aus den verschiedenen Ländern ausprobiert. Wer dann um 20.20 Uhr am Bahnhof in Brakel stand, konnte selbst dort noch tanzende Bredenschüler und Gastschüler entdecken, die dazu traditionelle Melodien summten…

Carolin Behre, Isabell Kiele-Dunsche

 

Dienstag, 05. November 2013: “At a German school…” – Attending lessons and presenting the first results of the project

Nachdem bereits am Montag einige der teilnehmenden Länder ihre Präsentationen vorgestellt hatten, begann auch der zweite offizielle Tag mit Informationen über Polen, Griechenland und Rumänien. Die Tatsache, dass bei dem diesem Projekt viele verschiedene europäische Nationen und Kulturen aufeinandertreffen, wurde hier noch einmal besonders deutlich und dem ein oder anderen wurde sicherlich bewusst, wie wenig man eigentlich über manche europäische Länder weiß.

Da ein Schüleraustausch ohne einen Besuch des Unterrichts nicht vollständig sein kann, kamen sowohl deutsche als auch ausländische Schüler am Dienstag in den Genuss einer speziell vorbereiteten Englischstunde bei Herrn Hentschel in einem seiner EF-Kurse Englisch.

Was zunächst als kleine Gruppenarbeit begann, endete schon bald in den teilweise etwas verzweifelten Versuchen aller Anwesenden, sich gegenseitig auf Griechisch, Finnisch, Bulgarisch, Rumänisch, Italienisch, Polnisch oder Deutsch einen „Guten Morgen“ zu wünschen, sich zu bedanken und einige andere Phrasen möglichst richtig klingend über die Lippen zu bekommen. Denn neben Aufgaben, in denen typische Eigenschaften der jeweiligen Länder kurz verglichen wurden, mussten alle Schüler auch in zumindest einer fremden Sprache einige Begriffe absolvieren. Doch während es meistens noch relativ einfach ist, sich zu verabschieden, bereiten eine Einladung auf eine Party oder die Frage, ob man jemanden ein Stück begleiten dürfe, deutlich mehr Schwierigkeiten.

Nach dieser Stunde gab es auch noch eine zweite, englischsprachige Stunde, nämlich Erdkunde bei Frau von Boeselager.

Nachmittags ging es dann an diesem Tag für alle nach Hause, um auch zu Hause mal mehr Zeit miteinander verbringen zu können, z.B. um deutsche Weihnachtsplätzchen miteinander backen zu können.

Anna-Maria Komm

 

Mittwoch, 06. November 2013: “Theatre, theatre, theatre…” – Tips for acting

Während die deutschen Schüler über ihren Latein- und Französischklausuren schwitzten, bekamen die ausländischen Gastschüler eine Stunde Zeit, um schon einmal ihre Tagebücher über das COMENIUS-Projekt zu schreiben oder etwas für die Webseiten der Schulen zusammenzutragen.

Um 9 Uhr ging es dann zum offiziellen Termin zum Rathaus der Stadt Brakel. Im Sitzungssaal „Alte Waage“ begrüßte der stellvertretende Bürgermeister Johannes Krömeke die anwesenden Gäste und war völlig überwältigt, vor so vielen verschiedenen Nationalitäten „seine“ Stadt vorstellen zu dürfen. Dies erlebt auch ein stellvertretender Bürgermeister nicht alle Tage. Viele Highlights der Stadt Brakel, u.a. natürlich der legendäre Annentag, wurden anhand von Fotos den Gästen vorgestellt. Da das COMENIUS-Projekt sich ja mit Theaterspielen beschäftigt, war natürlich die Freilichtbühne Bökendorf ein besonderes Highlight der Präsentation.

“Don‘t throw this rotten orange to your friend“, schreit die Hälfte der Schüler so laut durch die Aula, dass man es bis auf die umliegenden Flure hören kann. Dabei werfen sie eine imaginäre Orange den andern entgegen, die angewidert zurückweichen. Das ist nur eine Sache, die wir bei unserm Theaterworkshop mit Julius D’Silva gemacht haben. Der Londoner Schauspieler und Lehrer vom legendären Globe Theatre hat uns mit viel Spaß in die Kunst des Theaterspielens eingeweiht. Von außen betrachtet war das sicherlich ein komisches Bild: Ein Haufen Schüler läuft wild durcheinander, macht ruckartige Bewegungen und liest laut einen Textauszug aus Shakespears „Viel Lärm um nichts“, aber so kann man den Text viel besser verstehen und man fühlt sich in ihn hinein. Und indem man die Pronomen betont, wird klar, um wen es eigentlich geht. „Yes“- „No“ – „Yes!“ – „No!“. Der eine bittet und der andere lehnt ab. Mit nur einem Wort eine Szene spontan spielen. Oder auch nur mit Gesten kann man viel erzählen. So gingen die drei Stunden Workshop rasend schnell vorbei.

Aber wir hatten immer noch nicht genug vom Theater. Bei einer Führung im Theater Paderborn, begleitet von Frau Drewes und Frau Kathmann, durften wir auch hinter die Kulissen schauen und haben erfahren, wie viel Arbeit hinter einem Theaterstück steht, z.B. wo die Schauspieler proben oder geschminkt werden, wie die Kulissen entstehen und wo die Kostüme entworfen und genäht werden. Den Abschluss der Führung bildete die Besichtigung des Theatersaals mit der großen Bühne.

Elisa Fuhrmann

 

Donnerstag, 07. November 2013: “Getting to know German History…” – A trip to Bonn and Cologne

Am vierten Tag des Auftakttreffens konnte man beobachten, wie sich morgens vor Schulbeginn eine große Traube Schüler und Lehrer an der Bushaltestelle vor der Brede bildete, denn heute sollte es mit Frau Curino-Rosa und unserer irischen Fremdsprachenassistentin Jenna nach Bonn und Köln gehen! Die Aufregung war groß und schon im Bus herrschte gute Stimmung, sodass die knapp drei Stunden Fahrt überhaupt nicht lang erschienen.

Als der Bus dann schließlich in Bonn ankam, besuchten wir das Haus der deutschen Geschichte. In kleinen Gruppen lernten wir mithilfe einer spannenden und interessanten Rallye viel über die deutsche Geschichte vom zweiten Weltkrieg bis zur heutigen Zeit. Sprachlich war dies teilweise schon eine Herausforderung, weil die Schilder im Museum nur auf Deutsch waren und die deutschen Gastschüler vieles auf Englisch übersetzen mussten. Gott sei Dank hatte unsere irische Fremdsprachenassistentin Jenna im Vorfeld viele Stationen der Rallye schon für uns ins Englische übersetzt, sonst wäre es noch schwieriger geworden.

Später in Köln besuchten wir als erstes das Schokoladenmuseum. Dort mussten wir zunächst zwanzig Minuten warten bis die Führung begann, aber das störte niemanden, da es dort einen mit allen möglichen Kuriositäten ausgestatteten Schokoladenshop gab. Vom schokoladigen Highheel über einen Playstation Controller aus Schokolade bis hin zu Pralinen war alles zu finden, was das Herz eines Schokoliebhabers höher schlagen lässt. Dann begann endlich die Führung- die prompt mit einem Täfelchen Schokolade für jeden begann- und wir lernten einiges über die Aufzucht und Ernte der Kakaobohnen. Wir durften sogar welche probieren, aber gut schmecken die nicht: sehr bitter und wirklich noch nicht richtig genießbar. Außerdem erfuhren wir, wie Schokolade hergestellt wird, durften vom Schokoladenbrunnen kosten und lernten, dass Schokolade früher sogar als Medizin benutzt wurde und außerdem sehr teuer war.

Nachdem sich dann jeder im Schokoladenshop ordentlich mit Schokolade eingedeckt hatte, ging es dann weiter nach Köln. Wir konnten den Dom schon von weitem sehen, aber aufgrund des schlechten Wetters war er von grauen Wolken und weißem Nebel umgeben und sah dadurch aus der Ferne aus, als wäre er aus einem Horrorfilm! Von Nahem jedoch war man einfach überwältigt von der unglaublichen Größe und den schönen Verzierungen. Wir hatten daraufhin ca. zwei Stunden Zeit, Köln auf eigene Faust zu erobern. Wir sahen uns unter anderem den Dom von innen an. Dort beeindruckte vor allem das riesige Richterfenster. Durch das schlechte Wetter schien alles im Inneren des Doms mehr grau als bunt, aber das Richterfenster strahlte trotz des wenigen Lichts in den hellsten Farben. Danach konnte man sich die Brücke mit den vielen Vorhängeschlössern ansehen: Dort hingen bereits auf den ersten Blick Schlösser von 1978 bis 2013! Als schließlich der Hunger zu sehr drängte, gingen wir in die Innenstadt, um uns etwas zu stärken und natürlich um shoppen zu gehen.

Wir fuhren gegen 18 Uhr wieder Richtung Brakel los und kamen, nach einer noch lustigeren und äußerst lauten Busfahrt (der Busfahrer musste sich einige Male beschweren, natürlich auf Deutsch!) wieder gesund und munter an der Brede an.

Josephine Wiesemann

 

Freitag, 08. November 2013: “Farewell and goodbye” – Leaving Germany

Der letzte Tag des COMENIUS-Projekts. Für einige begann der Tag schon sehr früh am Morgen. Die Finnen traten ihre Heimreise als erstes an diesem Tag an. Sie wurden in den frühen Morgenstunden von Familie Kiele-Dunsche nach Paderborn zum Bahnhof gebracht. Leider verpassten sie ihren Zug in Münster und mussten mit dem Taxi von Münster nach Bremen weiterfahren. Zwar waren sie danach 250 Euro ärmer, zumindest erreichten Sie aber noch ihren Flieger.

Für den Rest ging es entweder mit dem „host“ in den Unterricht oder später direkt zum Bahnhof. Um 8:40 Uhr trafen sich die Schülerinnen und Schüler aus Rumänien, Griechenland und Polen, die noch am Unterricht teilgenommen haben, in der Eingangshalle, um gemeinsam zum Bahnhof zu gehen. Am Bahnhof verabschiedeten sich alle und stiegen dann um 9:34 Uhr, begleitet von der irischen Fremdsprachenassistentin Jenna, in den Zug nach Paderborn, um von dort aus zu den verschiedenen Flughäfen zu gelangen.

Alle sind heil zu Hause angekommen und hoffen, sich irgendwann im Leben einmal wiederzusehen…

Svenja Lück

„Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.“

Für die Schulen der Brede: Stefanie Kathmann. –  Die Fotos stammen von Frau Kathmann (3) und aus der Comenius-Gruppe.