19 Mobiltelefone nun eine Woche lang hinter mächtigen Stahltüren

Aktion der 6d: Bewusstsein für den Umgang mit Handys soll geschärft werden

Im Westfalen-Blatt war heute folgender Bericht zu lesen: "Nachrichten verschicken per »Whatsapp«, Bilder posten bei »Instagram«, SMS schreiben und nicht zuletzt telefonieren. Handys gehören auch bei Schülern zum Alltag – seit gestern nicht mehr für 17 Jungen und Mädchen, die das Gymnasium Brede besuchen. Die verbringen - ebenso wie ihre Deutschlehrerin und der Schulleiter - eine Woche ohne Handy.

1401_handysWie die Schüler berichten, entstand die Idee dazu aus Gesprächen in der Klasse 6d im Deutschunterricht über die Verwendung von Handys und die damit teilweise einher gehenden Probleme wie Cyber-Mobbing, Abhängigkeit und große Ablenkung. »Der Verzicht auf das Handy soll das Bewusstsein für einen angemesseneren Umgang schärfen«, sind sich die Schüler einig.

Um 12.30 Uhr gestern galt es, die guten Vorsätze auch in die Tat umzusetzen. Rainer Seck, Filialleiter der Sparkasse Höxter, erwartete die Jungen und Mädchen zusammen mit Lena-Maria Iffland, Jugendbetreuerin des Geldinstitutes. Zunächst herrschte große Skepsis. Die Kernfrage: »Sind unsere Handys hier überhaupt sicher oder könnten sich gar Mitarbeiter der Kasse bedienen?«. Rainer Seck beruhigte den Nachwuchs und erläuterte das System der Tresorfächer für Privatkunden. »Wir wissen nicht einmal, was sich in den einzelnen Fächern befindet, weil nur der Kunde selbst Zugang zu dem Fach hat«, erläuterte Seck und übergab die Schlüssel zum Tresorfach an Schulleiter Matthias Koch. In diesem Sonderfall könnte selbst der nicht einfach zum Schließfach und es öffnen, denn auch sein Handy befindet sich – ebenso wie das von Deutschlehrerin Maria Frese – im Tresor. Während normale Privatkunden mit ihrer Bankkarte alleine an ihr Schließfach gelangen können, müsste Matthias Koch einen Mitarbeiter der Sparkasse bitten, den Tresorraum zu öffnen. Und als die Schüler diesen mit der mächtigen Stahltür sahen, war jede Skepsis gewichen, das Handy könnte abhanden kommen.

1401_dicketuerVor allem der Mitteilungsdienst »Whatsapp« wird von den Schülern intensiv genutzt, auch von Jule Seck aus Bökendorf. »Es wird sicher nicht leicht sein, die Woche ohne Handy«, ist sie sich sicher, nachdem sie ihr I-Phone abgegeben hat. Nell Soszynski geht es ähnlich. Julia Fresen hat vorgesorgt, damit sie niemand bei »Whatsapp« vergeblich anschreibt: »Ich habe in den Status bei ›Whatsapp‹ geschrieben, dass ich eine Woche nicht erreichbar bin.«

Aber es gibt auch Schüler, die diesen Dienst nicht nutzen. »Ich reite gern in meiner Freizeit und brauche das Handy, um zuhause anzurufen, wenn ich früher oder später abgeholt werden möchte«, berichtete Sebastian Krome. Auch sein Klassenkamerad Jonas Kruse – Besitzer eines Blackberry-Handys – versichert, dieses nur zum Telefonieren zu nutzen.

Das wollen die Jungen und Mädchen bis zum kommenden Montag verstärkt im Festnetz tun, wenn sie sich verabreden wollen. »Oder auf dem Schulhof«, ergänzt Nell Soszynski.

1401_schluessel»Handys sind an unserer Schule bis auf Ausnahmen in der Oberstufe verboten«, erläutert Maria Frese. Trotzdem sei es wichtig, die Verwendung von Handys mit all seinen ständig sich erneuernden Möglichkeiten zu reflektieren. Obwohl die Intensität der Nutzung in der sechsten Klasse noch recht unterschiedlich sei, verbrächten viele Schüler viel Zeit mit dem Medium. Maria Frese: »Auch Cyber-Mobbing ist ein ernst zu nehmendes Problem, vor dem sich die Schulen nicht einfach verschließen dürfen.«

Die Teilnahme an der Aktion war freiwillig. »Während der Woche sollen die Schüler knapp aufschreiben, was sie während ihrer ›Fastenzeit‹ empfinden und wie sie zum Beispiel ihre gewonnene Zeit nutzen«, berichtet die Pädagogin. Im Deutschunterricht würden die Erfahrungen ausgetauscht. Maria Frese: »Auch der Sprachzerfall, der durch digitale Kommunikation beschleunigt wird, ist ein Thema, das im Deutschunterricht behandelt werden muss.«“

Text und Fotos: Frank Spiegel/Westfalen-Blatt vom 14. Januar 2014

Wir bedanken uns sehr herzlich bei der Brakeler Westfalen-Blatt-Redaktion für die freundliche Überlassung von Text- und Bildmaterial.