Austauschschüler der Brede besuchten Södertälje in Schweden

"Hej Sverige!" - Reisebericht liegt nun vollständig vor

Gemeinsam mit Frau Mattern und Herrn Junge besuchte jetzt eine Schülerdelegation des Gymnasiums Brede unsere schwedische Austauschschule "S:ta Ragnhildgymnasiet" in Södertälje. An dieser Stelle gibt es nun den kompletten Reisebericht aus Schweden. Viel Spaß beim Lesen!

Tag 1, Donnerstag, 13. Februar 2014 – „Hej Sverige!“

Endlich war der große Tag gekommen! Nachdem wir Schwedenfahrer vor vier Monaten „unsere“ Schweden in Deutschland verabschiedet hatten, freuten wir uns darauf, unsere schwedischen Freunde in Schweden wiederzusehen. Während alle anderen Schüler der Brede in den Unterricht mussten, machten wir uns auf den Weg nach Steinheim, um von dort den Zug nach Bremen zu nehmen.

Um 14.45 Uhr ging es dann schließlich in einem Flugzeug einer wohlbekannten irischen Airline nach Stockholm Skavsta. Dort pünktlich nach ca. einer Stunde und zehn Minuten Flugzeit angekommen, wurden auch zwei der deutschen Schüler gleich von ihren Austauschpartnern abgeholt, während die anderen ihre Reise nach Södertälje mit dem Bus und Zug fortsetzten. Spätestens in Nyköping, wo wir ca. eine Stunde Aufenthalt hatten und mit unseren Koffern lustig durch die Straßen zogen, war auch den letzten Zweiflern klar, warum es gut sein kann, wenn man nur 15 Kilo in seinen Koffer packen darf…

Am Bahnhof Södertälje syd gab es zunächst einige Irritationen, weil unsere Austauschpartner nicht am Bahnsteig warteten. Wir fanden sie jedoch wenig später unten im Warmen in der Wartehalle (und das, obwohl es in Schweden sehr warm ist für diese Jahreszeit und kein Schnee liegt!) und begrüßten sie freudig.

Den Abend verbrachten wir dann in den Gastfamilien, wo es viele Gastgeschenke bei gemütlichem Abendessen auszupacken gab.

 

Tag 2, Freitag, 14. Februar 2014 – „Kyrka – Tag“

Södertälje C? Oder doch S:ta Ragnhildgymnasiet? Tja, so ganz genau wusste es irgendwie keiner morgens, wo genau wir uns treffen würden, um uns mit den verschiedenen Kirchen in Södertälje vertraut zu machen. So entschied sich die eine Hälfte der Gruppe für den Bahnhof und die andere Hälfte für ein Treffen in der Schule. Schnell wurde klar, dass die Gruppe am Bahnhof die richtige Wahl getroffen hatte und so musste die andere Hälfte der Gruppe zunächst mit dem Zug zum Bahnhof Södertälje C fahren.

Dann ging es weiter zu einer eher einfach eingerichteten Pfingstkirche, einer protestantischen Freikirche, in Södertälje. Deutlich sichtbar war, dass die Taufe hier eine große Rolle spielt, denn anstelle eines Altars konnte man vorne neben dem Lesepult ein großes Taufbecken finden. Ebenso ist die Musik ein wichtiges Element in dieser Freikirche, was man an den vielen Instrumenten in der Kirche und auch an dem ausgeklügelten Soundsystem sehen konnte.

Als Kontrast dazu diente der Besuch der syrisch-orthodoxen Kirche St Jakob ein wenig außerhalb von Södertälje. Hier erwartete uns ein pompöser Bau mit einer prunkvollen Einrichtung. Viele Bilder und vergoldete Elemente im Innenraum machten schnell deutlich, dass der Bau dieser Kirche sehr teuer gewesen sein muss (ca. 6 Millionen Euro). Der Priester der Kirche erzählte uns über die Lehre und Inhalte der syrisch-orthodoxen Kirche allgemein und auch über die besondere Situation der Kirche in Södertälje. Momentan gibt es dort täglich neue Mitglieder, da viele Flüchtlinge aus Syrien dort aufgrund der Krise in Syrien Zuflucht suchen.

Zurück in der Schule rundete der Religionslehrer der Schule die praktischen Erfahrungen des Tages mit der theoretischen Seite ab, indem er uns mit der Rolle der Religionen in Schweden vertraut machte. Besonders erstaunt waren wir über die Tatsache, dass nur ein Prozent der Schweden sich als religiös aktiv bezeichnen.

 

Tag 3 und 4, Samstag, 15. Februar 2014/Sonntag, 16. Februar 2014 – „Wochenende und eine Überraschung für Herrn Junge und Frau Mattern“

„Wer die Wahl hat, hat die Qual!“ – So ging es vielen, als sie zusammen mit ihren Austauschpartnern überlegten, was man am Wochenende gemeinsam unternehmen könnte. Viele landeten schließlich erst im legendären seit Generationen von Austauschen beliebten „Fresstempel“ nahe des Kulturhusets und gingen dann gemeinsam ins Kino. Da die amerikanischen Filme in Schweden alle auf Englisch mit schwedischen Untertiteln laufen, war die Sprache für die Deutschen kein unüberwindbares Hindernis. Sehr unerfreulich war für viele die Heimreise nach Södertälje, da es auf der Bahnstrecke zwischen Stockholm und Södertälje zu einem sogenannten accident kam, so dass viele ihre Reise mit Bus und Taxi fortführen mussten. Somit benötigten viele bis zu drei Stunden für den Heimweg.

Ein besonderes Highlight erwartete am Wochenende die deutschen Lehrer. Sie konnten ihren Augen kaum trauen, als vor dem legendären „Fresstempel“ auf einmal eine Überraschung in Form eines ehemaligen Schülers auf sie wartete. Deutschlehrer Magnus hatte über ein sehr bekanntes soziales Netzwerk Kontakt zu Benedikt, welcher selber 2007 am Schwedenaustausch teilgenommen und den seit Generationen beliebten Austauschpullover designt hatte. Benedikt studiert momentan für ein Jahr über das Bonifatiuswerk Katholische Theologie in Uppsala, einer berühmten schwedischen Universität, und war extra nach Stockholm gereist, um seine „alten“ Lehrer wiederzutreffen. Gemeinsam besuchte man dann ein Gospelkonzert im Konzerthuset mit über 600 Sängerinnen und Sängern. Danke für diese tolle Überraschung!

 

Tag 5, Montag, 17. Februar 2014 – ”We want your German!“

„Ach, ich bin ja so nervös!“ – So ging es vielen, als sie in einer der drei Deutschstunden, die auf dem Programm standen, plötzlich Teil eines Deutschtests wurden. Aufgabe war es, zusammen in einer Kleingruppe mit ein oder zwei Schweden eine Diskussion auf Deutsch mit dem Handy aufzunehmen, die anschließend von der Deutschlehrerin Jenny benotet wurden. Und nicht nur die Schweden, sondern auch die Deutschen waren nervös, denn schließlich wollte niemand dafür verantwortlich sein, dass jemand eine schlechte Note für diesen Test bekommen würde.

Ansonsten wurden kleine schwedisch-deutsche Dialoge erstellt, bei denen die Deutschen die schwedischen Sätze und die Schweden die deutschen Sätze lesen mussten. Auch viele Diskussionen in Kleingruppen oder das Anhören populärer schwedischer und deutscher Musik standen auf dem Programm.

 

Tag 6, Dienstag, 18. Februar 2014 – “Bobsleigh riding and wafles“

Simon kopfüber im Powerball, Anna-Maria und Elisa bewegen Bälle mit Gehirnströmen, Sophia und Theresa werden auf einmal am Tisch zu Zwergen…. So etwas kann man in Södertälje nur im Tom Tits Experiment erleben, einem Museum, wo experimentiert und ausprobiert werden darf und muss. Nicht zuletzt das grandiose Essen am Buffet des Museums, wo keiner ohne Nachschlag wieder hinausging, machte den Besuch bei TomTits Experiment zu einem besonderen Erlebnis.

Eigentlich hatte ja erst gar keiner Lust, weil Schlittenfahren ja doof ist… Das änderte sich schnell, als die Gruppe am frühen Abend den mit Kunstschnee versehenen Berg bei Ragnhildsborgsbacken sah. Auf einmal war Schlittenfahren total toll und alle fuhren begeistert den Hügel hinunter. Manche schrien dabei so laut, dass man Angst haben musste, dass den Zuschauern das Trommelfell platzen würde… Bei heißer Schokolade, Waffeln und Hotdogs ließ man den Tag gemütlich ausklingen, wobei die schwedischen Schüler sehr nervös waren, weil sie am nächsten Tag eine Arbeit schreiben mussten.

 

Tag 7, Mittwoch, 19. Februar 2014 – “Stockholm day“

Los ging es um 9.07 mit dem Pendeltog nach Stockholm T-Centralen. Von dort aus wanderten wir durch die Gamla Stan (Altstadt von Stockholm) vorbei an den Touristenlädchen nach Slussen, der Ablegestelle für die Fähre, die uns zum Freilichtmuseum Skansen brachte. Dort war um 11 Uhr eine Tierführung für uns gebucht, bei der wir leider nicht viele Tiere sehen konnten, da sie sich versteckt hielten. Vielleicht war ihnen wie auch uns einfach zu kalt draußen… Traurig war auch, dass der männliche Elch, den viele Schülergruppen der Brede noch die Jahre davor bewundern konnten, inzwischen wegen einer Augenkrankheit eingeschläfert worden war. Ein Highlight der Führung war jedoch, dass wir einen der Ställe von innen sehen durften, was den Besuchern eigentlich nicht erlaubt ist.

Danach ging es dann ins Vasa Museum, wo wir zunächst einen Film über den Untergang der Vasa und die Bergung des im Jahre 1624 nach etwa 20 Minuten Jungernfernfahrt gesunkenen Schiffes sahen. Highlight war neben dem Ansehen des Schiffes die Führung von Matthias, nach Aussage der deutschen Lehrer die beste Führung, die sie jemals dort erlebt hatten. Während die Lehrer von Anfang an wussten, dass Matthias, obwohl er die Führung auf Englisch machte, aus Deutschland kam, wurde dieses den Schülern erst klar, als er sich auf Deutsch von ihnen verabschiedete. Oops, dann hatte er die Kommentare zwischendurch wohl doch verstanden!?!

Anschließend gab es noch Freizeit in Stockholm und ein letzter Abend mit den schwedischen Freunden, natürlich ohne Lehrer…

 

Tag 8, Donnerstag, 20. Februar 2014 – „Goodbye Sweden im Schnee“

Herr Junge hatte es versprochen und thank Junge sahen wir endlich am letzten Tag den ersten echten Schnee in Schweden. Mit gemischten Gefühlen verabschiedeten wir uns von allen in Schweden. Zum einen war es natürlich toll, wieder nach Hause zu fahren, aber auf der anderen Seite hatte man Angst, seinen Austauschpartner und seine Familie vielleicht nie wieder im Leben zu sehen.

Nachdem wir dann nach einer Zug- und Busfahrt auch den Flug mit einer großen irischen Airline heil überstanden hatten, sollte Herr Junge noch einmal an diesem Tag Recht behalten. Es lagen nur 25 Minuten zwischen voraussichtlicher Landung des Flugzeuges in Bremen und der Straßenbahn, die uns die letzte Chance des Tages ermöglichte, noch bis Steinheim zu kommen. Danach wäre nur noch Bad Pyrmont möglich gewesen… Tatsächlich gelang es uns, nur wenige Minuten nach Landung des Flugzeuges unsere Koffer vom Kofferband in den Händen zu halten und die Straßenbahn zu erwischen, so dass uns pünktlich um 22.16 Uhr alle Eltern von Steinheim abholen konnten.

Es bleibt an dieser Stelle nur noch, allen beteiligten Gastfamilien für ihre Mühen, aber vor allem Herrn Junge und Magnus für die Organisation und Durchführung des Schwedenaustausches 2013/2014 ganz herzlich zu danken.

Alle Texte und Fotos: Kathrin Mattern