„Kein Geschenk für die Vitrine, sondern für Seele, Geist und Körper!“

Ehemaliger Schulleiter Dr. Molitor erwanderte mit seiner Ehefrau den Franziskusweg von La Verna nach Assisi

Verehrte Eltern, liebe Schulgemeinde der Schulen der Brede, mit dem wunderbaren Geschenk zu meiner Verabschiedung als Schulleiter der Schulen der Brede haben Sie mir – und meiner Frau Monika, die mich begleitet hat – eine große Freude und tiefgreifende Erfahrung angedeihen lassen. Herzlichen Dank auch für diese einzigartige Idee, einen Teil des Franziskusweges, insbesondere den Friedensweg des Hl. Franziskus, erwandern und damit die Faszination dieses Menschen zu erahnen und seinen Einsatz für die Armen, für die bedrohte Schöpfung und für den Frieden nachempfinden zu lassen.

Immer wieder haben wir in der Betrachtung und Nachbesinnung seines Sonnengesangs, dessen Strophen jeweils ein Tagesmotiv, eine Tagesmeditation waren, inspirierende Impulse entdecken können, seine ansteckende Fröhlichkeit und Freundlichkeit, seine innere und äußere Freiheit in der Lossagung vom überflüssigen Konsum, seine mitempfindende und mitreißende Begeisterung für die Schöpfung und sein harmonisches Verhältnis zu Gott, Mitmensch und Mitwelt, seine gelebte Einfachheit. Die Namenswahl unseres Papstes zeigt, dass das Leben und Wirken des Hl. Franziskus trotz der zeitlichen Distanz (1182-1226) in unserer heutigen Zeit hineinwirken kann und nichts von seiner Aktualität und seinem christlichen Auftrag eingebüßt hat.

Wir haben auf diesem Weg Orte kennengelernt, an denen der Hl. Franziskus geweilt, gebetet und gepredigt hat, an diesen Orten sind Gebäude entstanden, die schon Franziskus mit seinen Brüdern gegründet hat oder die später hier an besonderen Orten gebaut worden sind. Sie alle künden auch uns Heutigen, eingebettet in die besondere Landschaft der südlichen Toskana und Umbriens von der Lebendigkeit, Weite und mutigen Phantasie franziskanischen Denkens, einfach leben, miteinander gehen und teilen – nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Gedanken – ,aufmerksam die Schöpfung betrachten – die Blumenpracht hat dazu besonders eingeladen -, den Alltag hinter sich zu lassen und zu versuchen, bei sich zu sein.

Unser Weg begann in Arezzo, einer mittelalterlichen Stadt mit schönen Plätzen und Palästen, erbaut auf einer Siedlung der Etrusker, entstanden im 5. Jahrhundert v. Christus. Auch hier eine Kirche dem Hl. Franziskus geweiht, erbaut schon 1318, ausgemalt mit Fresken von Piero della Francesca, einem berühmten Maler der Frührenaissance. Das Thema: Die Legende vom Heiligen Kreuz. Arezzo hat u.a. zwei berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht: Franzesco Petrarca (geb. 1304), berühmter Lyriker und Begründer des Alpinismus, und Guido Monaco, der 1025 die Notenschrift und Tonleiter einführte.

Mit Bustransfer erreichten wir Chiusi della Verna, von da die erste Wanderung hinauf auf den Monte Penna, zum Bergkloster La Verna, einem großen Gebäudekomplex, gegründet von Franziskus. Fresken erzählen vom Leben des Hl. Franziskus, hier hat er die Stigmata, Wundmale, empfangen, hier hat er sich zum Gebet in Höhlen zurückgezogen. Trotz des auch teils touristischen Betriebes kann man die Ideale franziskanischen Lebens hier erahnen.

Von La Verna wanderten wir über „ondulierte“ Wege – also rauf und runter – über die Gipfel des Monte Calvano und des Monte Modina ins Tibertal nach Pieve Santo Stefano, einer Stadt, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Heute ist Santo Stefano bekannt als Stadt der Tagebücher, ca. 4000 Tagebücher jedweden Autors werden hier aufbewahrt.

An den folgenden Tagen besuchten wir auf unserer Wanderung kleinere Klöster oder Kirchen, die Franziskus besucht oder gegründet hat – wie Eremo Cerbaiolo oder Eremo Montecasale (1213 Franziskus und seinen Brüdern übergeben) – oder den Passo Viamaggio. In Sansepolcro, bekannt durch die Firma Buitoni, der nächsten größeren Stadt, begegneten wir wieder Piero della Francesca. Hier sind seine Fresken „Polyptychon der Barmherzigkeit“ und „Die Auferstehung Christi“ im Museum zu bewundern.

Auf dem Wege von Sansepolcro nach Citta di Castello – hier lebte Plinius der Jüngere – haben wir auf einer Anhöhe in einem Kastanienhain Eucharistie gefeiert. Ludwig, pensionierter 84jähriger Pfarrer der Diözese Regensburg, geistig jung geblieben und körperlich fit – er hat mehr als 3000 km den Jakobsweg erwandert -, zelebrierte auf einem Altar, erbaut aus unseren Rucksäcken, eine an Anliegen unserer Gruppe anknüpfende (Fürbitten) und das Evangelium auf uns beziehende (ungläubige Thomas) Messe, die uns sicher lange in freudiger Erinnerung bleibt.

An den beiden nächsten Tagen gelangten wir – vorbei an Pieve di Saddi – über Pietralunga nach Gubbio, umbrisches Zentrum in vorrömischer Zeit. Dieses mittelalterliche Städtchen nahm 1206 Franziskus nach seinem Bruch mit dem Vater auf, hier erhielt er 1214 ein Grundstück für die Errichtung eines Konvents, hier wurde schon 1256 mit dem Bau der Kirche des Hl. Franziskus begonnen. Dieses sehenswerte mittelalterliche Städtchen, gebaut am Hang, ermöglicht Einblicke in mittelalterliches Leben, da es bestens erhalten geblieben ist. Bekannt ist Gubbio aber auch durch Franziskus‘ Zähmung des wilden Wolfes, der die ganz Gegend terrorisierte und Angst und Schrecken verbreitete.

Unser Weg ging von Gubbio über Valfabbrica – ein schweres Gewitter zwang uns, weit über eine Stunde unter einem Balkon abzuwarten – dann nach Assisi. Ruhe, Muße, entspannte und entspannende Unterhaltung und frohe Erwartung, da wir die Stadt und die Kathedrale schon von weitem erblicken konnten und sie immer näher rückten, – dann der Eingang durch eine Tür in normaler Größe: eine andere Welt; der Vorplatz der Kathedrale, Unter- und Oberkirche voll von Menschen, weniger Wanderer, häufiger Touristen. Auch die Straßen übervoll von Lärm, Getöse, Autoverkehr und Menschen. Dennoch war Assisi an diesem Tag und dem folgenden Ziel- und Höhepunkt unserer Wanderung. Unser Te Deum am Grabe in der Unterkirche, die Führung durch Bruder Thomas, die Besichtigungen von Santa Maria degli Angeli mit der Portiunkula-Kapelle, des Domes und der Chiesa Santa Chiara sowie von San Domino – leider ohne Vesper, da die zeitliche Vorgabe die nicht zuließ – bleiben uns allen sicher in bleibender und tiefer Erinnerung.

Uns, wir, das ist eine Gruppe von 5 Männern und 14 Frauen und einer Reisebegleiterin. Wir waren eine sehr harmonisch miteinander agierende Gemeinschaft. Jeder begleitete jeden, wie es gerade passte. Der nächste freie Platz in der Natur beim Picknick oder im Restaurant wurde eingenommen. Auf den, der etwas länger brauchte, wurde gewartet, man half sich aus, auch in dem Sinne: einer trage des anderen Last, da eine der Frauen nicht in der Lage war, ihren Rucksack selber zu tragen. Die Reisebegleiterin war äußerst kompetent und kommunikativ – ein Glücksgriff für die Gruppe, aber auch die Gruppe ein Glücksgriff für sie, wie sie oftmals betonte. Die Reise war sehr gut organisiert und vorbereitet durch das Bayrische Pilgerbüro, Unterkünfte und Verpflegung waren mehr als zufriedenstellend.

Liebe Eltern, liebe Schulgemeinde, wirklich ein tolles Geschenk, nicht für die Vitrine, sondern für Seele, Geist und Körper – allerherzlichsten Dank,

Ihre/Eure Monika und Friedhelm Molitor