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Ist die Flüchtlingskrise eine Krise – oder vielmehr eine Chance?

Diskussionsrunde in der Aula im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Breden-Reden"

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Die Gäste des Podiums mit den Moderatoren sowie der Organisatorin Dr. Martina Aufenanger (2.v.l.).

Die Veranstaltung begann mit Zahlen und Fakten: Seit 2011 der Bürgerkrieg in Syrien begann, kamen über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland, drei Millionen werden noch erwartet. Aber – so machte Julian Schulz deutlich – es geht bei dieser Prognose nicht in erster Linie um Zahlen, sondern um die Menschen und ihre Schicksale, die hinter diesen Zahlen stehen.

Nach dieser Einleitung erzählte der westafrikanische Flüchtling Mamadu Oury Diallo von seiner Geschichte: Er ist vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen, lernt gerade an einer Berufsschule und möchte im Sommer eine Ausbildung als Maurer beginnen, um sich in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. Er kann bereits gut Deutsch, obwohl das Erlernen der neuen Sprache für ihn ein großes Hindernis für die Integration darstellt. Oury Diallo hat sich auch an die neue Kultur gewöhnt und zieht im Alltag Vorteile daraus, das fängt schon beim Kochen an: „Ich nehme die deutsche Kultur an, bewahre aber auch meine eigene“, verriet er.

2aBelinda Jungblut, die seit vielen Jahren im Asylkreis Bad Driburg aktiv ist, informierte über den konkreten Ablauf eines Asylverfahrens und machte auf die Probleme dieses Verfahrens für die Flüchtlinge aufmerksam: In sogenannten Zentralen Unterbringungseinrichtungen herrsche keinerlei Privatsphäre, da acht bis zehn Personen in einem Zimmer zusammen leben müssen. Manchmal komme es auch zu Konflikten, da die Personen sich sprachlich schwer verständigen könnten, unterschiedliche Religionen hätten oder sogar aus Staaten kämen, die miteinander verfeindet seien.

Ralf Hüter, Regionaldirektor der AOK Nordwest, hält es für eine vorrangige Aufgabe, Sprachbarrieren zu überwinden. Er räumte darüber hinaus das Vorurteil aus dem Weg, dass die Flüchtlinge hohe Kosten für die Krankenkasse verursachen würden.

Nach Auskunft von Verena Homburg von der Agentur für Arbeit in Höxter soll auch ein „Integration Point“ organisiert werden, denn ein Jobcenter sei für Flüchtlinge die beste Integrationsmöglichkeit. Ihre Botschaft an die Schülerinnen und Schüler war eindeutig: „Derzeit herrscht im Kreis Höxter die niedrigste Arbeitslosenquote seit Langem, da viele von euch Schülern die Region zum Arbeiten oder Studieren verlassen. Deshalb sind die Flüchtlinge eine Chance für den Arbeitsmarkt“.

Auch Rainer Vidal, Bürgermeister der Stadt Nieheim, wandte sich mit einem klaren Appell an das Publikum: „Als ich so alt war wie Sie, war die Wiedervereinigung Deutschlands die Aufgabe, vor der meine Generation stand. Die Aufgabe Ihrer Generation besteht in der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Jahrelang haben wir auf Menschen gewartet, jetzt sind sie da!“.

Allgemeine Zustimmung fand Udo Wiemann, Kreisgeschäftsführer des Bundesverbandes für mittelständische Wirtschaft, mit seiner Ansicht, dass die Aufnahme von Flüchtlingen aufgrund des demographischen Wandels gerade für ländliche Regionen eine enorme Chance darstelle. Aus Sicht der Arbeitgeber kritisierte er vor allem die formalen Barrieren, die den arbeitswilligen Flüchtlingen in den Weg gestellt würden.

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Lennart Waldeyer, Julian Schulz und Joshua Kappel aus der Q1.

Gertrud Bouzaima, Betreuungskraft für die der Stadt Brakel zugewiesenen Flüchtlinge, berichtete, dass derzeit 422 Flüchtlinge in Brakel leben, 133 davon kämen aus Syrien, 55 aus dem Irak. Insgesamt lebten Menschen aus 28 Nationen hier.

Angesprochen wurden während der Debatte auch die Ereignisse in Köln, die derzeit viele Menschen ängstigen, die Sorgen von Frauen, auch hier in Brakel von Flüchtlingen „angepöbelt“ zu werden, und die Möglichkeiten der Brede, sich als christliche Schule für die Flüchtlinge zu engagieren.

Ein Gast aus dem Publikum, der sich in Brakel sehr intensiv um die Flüchtlinge kümmert, brachte seine Erfahrungen so auf den Punkt: „Die Angst überwindet man nur durch persönlichen Kontakt mit den Flüchtlingen. Vielleicht hat man Angst vor einer anonymen Gruppe, aber man hat keine Angst vor Menschen, die man kennt.“

Text: Lisa Richter; Fotos: Kai Hasenbein

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