Mit Papst Franziskus und seinem Fahrstuhlwärter in Rio de Janeiro

Journalist Andreas Englisch erzählt vom spannenden Beruf an der Seite der Päpste

Er gilt als einer der profiliertesten Vatikankenner unter den deutschen Journalisten: Andreas Englisch erlebte in seiner beruflichen Zeit in Rom bislang drei Päpste - und erzählt gerne davon: Auf Vermittlung der Brakeler Gemeindereferentin Monika B. Konegen gastierte er am vergangenen Dienstag vor seinem Abendauftritt auch schon am Vormittag für unsere Schülerinnen und Schüler in der Aula. Lea Welle aus der Q2 hat hierüber einen Bericht geschrieben:

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Schulleiter Matthias Koch, Andreas Englisch, Gemeindereferentin Monika B. Konegen.

Am vergangenen Dienstag, dem 15. November 2016, haben erneut die „Breden-Reden“ in der Aula der Schulen der Brede stattgefunden. Diese werden von Frau Dr. Martina Aufenanger organisiert und stellen mittlerweile einen der etablierten Programmpunkte innerhalb des Schuljahres dar.

Und so besuchte uns in diesem Jahr der deutsche Journalist Andreas Englisch, welcher seit 1987 im Vatikan tätig ist. Englisch berichtete, dass er eigentlich nur nach Italien gekommen sei, um Italienisch zu lernen. Jedoch habe er nach einem halben Jahr immer noch kein Italienisch sprechen können und zudem kein Geld mehr zur Verfügung gehabt, sodass er sich einen Job suchen musste. Daraufhin wurde er auf eine Stelle als Vatikanfachmann aufmerksam. Nach eigenen Angaben habe er kein Interesse an der katholischen Kirche und auch nicht am Papst gehabt, jedoch sei ausschlaggebend gewesen, dass er einmal Messdiener war. So führte Englischs Weg in den Vatikan.

Bald darauf folgte der erste Besuch beim Papst Johannes Paul II. Englisch erzählt anhand einer Anekdote, dass dem Papst Fußball ein verhasstes Thema gewesen sei, da er als Kind immer den Pfosten des Tores darstellen musste. Als besonders eindrucksvoll empfand Englisch einen Besuch mit dem Papst in Afrika im Jahr 2005. Dieser hatte die Aufgabe, eine neu gebaute Kirche einzuweihen. Allerdings traf er auf einen Mann, der beim Errichten der Kirche geholfen habe und  seine Kinder nun wahrscheinlich nicht mehr ernähren können wird, da er keinen ae4Job mehr hat. Papst Johannes Paul II. habe sich daraufhin geweigert die Kirche einzuweihen. Er forderte, dass die Arbeiter eine neue Beschäftigung bekommen und ihr Zuhause, welches aus „Bretterbuden“ bestand, nicht wie angekündigt abgerissen wird. Der Papst stieg zurück ins Flugzeug und hinterließ tausende wartende Menschen in der Kirche.

Andreas Englisch erzählte amüsant und frisch von den Anfängen des neuen Papstes, Papst Franziskus. Nachdem er im März 2013 zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, mussten sich die Kardinäle an einige Veränderungen gewöhnen. Englisch sprach davon, wie der Papst sich weigerte, in sein Auto, einen hoch modernen Mercedes, einzusteigen. Stattdessen soll er gefragt haben, womit die Kardinäle fahren. Als er erfahren hat, dass diese mit dem Bus fahren, soll er gesagt haben: „Gut, dann fahre ich auch mit dem Bus, aber ich will vorne sitzen. Ich bin ja schließlich der Papst.“ Der Mercedes wurde am nächsten Tag verkauft.

Ferner informierte Englisch das Publikum darüber, dass der Papst auch auf seine modern ausgestattete Wohnung, welche einen 250.000€ teuren Kühlschrank besitzen soll, verzichtet habe. Stattdessen wohnt er lieber in seiner 30m2 großen Wohnung, in welcher er auch wichtige Persönlichkeiten empfängt. Franziskus verzichte ebenfalls auf Personal wie z.B. eine Sekretärin und eigenes Kochpersonal. Er isst wie die anderen in der Mensa, in der er das Essen auf ein kaltes Buffet reduziert haben soll. Stattdessen nimmt er sein Personal lieber mit auf Auslandsbesuche. Tatsächlich soll er seinen „Fahrstuhlmann“ mit nach Rio de Janeiro und seine Wäscherin mit zur Königin in Schweden genommen haben.

ae2Für Englisch gab es die „Revolution der katholischen Kirche“ an Ostern 2013. Normalerweise trage der Papst für die Messe Schichten von Kleidung, doch als ihm diese vorgestellt wurden, soll er gesagt haben: „Ich glaube, sie verwechseln da was. Ich bin der Papst und nicht der Weihnachtsmann.“ Auf diese Art und Weise stellt Englisch dem Publikum einen sehr auf dem Boden gebliebenen und sympathischen Papst vor. Dieser Papst ist anders als alle vorherigen. Dieser Meinung ist auch Englisch. Er betont: „Ganz wichtig ist, dass dieser Papst ganz anders, als alle 265 vor ihm, tickt.“ Ferner gewährt Englisch sogar einen Einblick in bisher unveröffentlichte Pläne. Er gibt bekannt, dass die katholische Kirche ein 6-Milliarden-Programm bezüglich Syriens plane. Das Geld werde für den ae5Wiederaufbau Syriens nach dem Krieg gesammelt.

Englisch beendet seinen Vortrag, in dem er von dem Weltjungendtag in Rio de Janeiro erzählt. Dieser Weltjugendtag sei Dank Papst Franziskus zu einer großen Strandparty an der Copacabana geworden. Für den Journalisten sei es der spirituellste Gottesdienst seines Lebens gewesen.

Andreas Englisch erzählt lebendig von seinen Erlebnissen mit und aufgrund seiner „Heiligkeit“, wie er den Papst anspricht. Es macht Spaß ihm zuzuhören und man darf sich auf lustige Anekdoten freuen.

Text: Lea Welle (Q2); Fotos: Kai Hasenbein