Interview mit Ruben Fritsche: „Erfahrungen, die prägen werden“

"Halbzeit"-Interview mit unserem Bufdi Ruben Fritsche

Ob Rucksacktour durch Neuseeland, Studium in Paris, ein Praktikum in den USA oder missionarische Tätigkeit in Südamerika: Meistens wollen frischgebackene Abiturienten vor allem eines – weit weg! Ruben Fritsche, Abiturient des Jahres 2016, ist in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Ausnahme, denn er ist der Brede bis heute treu geblieben: als Bufdi im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes.

Homepage-Redakteur Kai Hasenbein hat mit Ruben ein Interview über seine Beweggründe und Erfahrungen geführt, dessen Antworten hoffentlich auch weitere Schülerinnen und Schüler dazu animieren, diesen kaum noch wegzudenkenden Dienst an den Schulen der Brede künftig zu versehen und in Rubens große Fußstapfen zu treten.

Ruben, welche Aufgaben wurden dir von der Schule im Vorhinein aufgetragen?

Die Schulleitung hat mich mit folgenden Aufgaben betraut: Begleitung des Schwimmunterrichtes, Mithilfe im Bücherkeller, organisatorische Aufgaben wie Inventurarbeiten oder die Bearbeitung diverser Listen sowie Unterstützung des NaWi-Unterrichts der siebten Klassen. Daneben habe ich mir eigeninitiativ einige Aufgabenfelder erschlossen, zum Beispiel die Beteiligung an der MINT-AG, externer Unterricht für Flüchtlinge, Engagement in religionspädagogischen Bereichen wie die Adventsprojekte „Lichtmomente“ für die Schüler und „Stille Stunden“ für Lehrer. Geplant sind  Projekte in der Fastenzeit sowie die Durchführung eines eigenen Projektes im Fachbereich Biologie.

Warum hast du dich gegen eine Ausbildung, ein Studium oder ähnliche Aktivitäten entschieden und bist zunächst Bufdi an den Schulen der Brede geworden?

Gegen eine Ausbildung bzw. gegen ein Studium habe ich mich in dem Sinne nicht entschieden. Allerdings standen mein Berufswunsch und ein damit notwendiges Studium noch nicht fest. Ich war mir zu dieser Zeit, in der für mich die Entscheidung für das Bufdi-Jahr fiel, noch darüber unschlüssig, ob eher ein naturwissenschaftlicher oder doch ein religionspädagogischer Bereich meine berufliche Zukunft prägen soll. Möglich wäre dann natürlich auch der Beruf als Lehrer, um beide Fachgebiete zu kombinieren.
Der BFD an unserer Schule hat mich dann vor allem deswegen gereizt, weil ich hier die Möglichkeiten habe, mich in verschiedensten Arbeitsbereichen auszuprobieren, sei es in der Religionspädagogik oder den Naturwissenschaften. Unsere Schule ist hierfür nämlich bestens aufgestellt und hat mir weitere Praktika in anderen Betrieben ersparen können.
Man erhält daneben Einblick in einen normalen Büroalltag, und selbstverständlich auch in den Alltag eines Lehrers und lernt kennen, was hinter einer Unterrichtsstunde an Organisation und Arbeit überhaupt steckt.

Was macht – nach einem halben Jahr Erfahrung – den besonderen Reiz dieser Stelle an deiner alten Schule aus?

Die Einsatzstelle „Schulen der Brede“ hat enorme Vorteile, nicht nur die Vielfältigkeit, sondern ganz besonders die Rahmenbedingungen, in denen ich mir rund 50% meiner Arbeit individuell anpassen kann. Ein Schwerpunkt meiner Vorgängerin Amelie Pötzke war zum Beispiel die Begabtenförderung. Ich hingegen arbeite in Bereichen der Schulseelsorge und auch an naturwissenschaftlichen Projekten. Sozusagen wird die Stelle jedes Jahr neu auf den kommenden Bufdi zugeschnitten.

Wie schätzt du die Erfolge deines Engagements und deiner Projekte ein?

Durch eigene Projekte, die es vorher an dieser Schule nicht gab und man in Planung und Umsetzung viel Aufwand stecken muss, ist es am Ende umso schöner, die „Früchte seiner Arbeit“ zu sehen, indem das Angebot – vielleicht sogar unerwarteter Weise – großen Anklang findet und sich daher Mühe und Aufwand sichtlich geloht haben. Das ist eine große Motivation und bringt Freude in die auftretenden Strapazen des Arbeitsalltags.

Das klingt alles sehr positiv. Vielleicht zu positiv…?

Ja, die Rolle des Bufdis hat sicherlich nicht nur Höhen. Die eine oder andere Talfahrt erlebt man natürlich auch. Zu Beginn ist man davon geschockt, fühlt sich eventuell missverstanden oder übergangen.
Aber auch das gehört dazu! Diese Bestandteile möchte ich daher auch keinesfalls missen, denn daraus schöpft man Erfahrungen. Und diese Art von Erfahrung zählt für mich zu einer der wichtigsten, denn das sind letztlich genau die Situationen, in denen man sich noch einmal anderes gegenübersteht und sich selbst somit auch besser kennenlernt.

Muss man sich den Tagesablauf eines Bufdis als hektisch, durchgetaktet und ohne Zeit zum Luftholen vorstellen?

Nein, ganz und gar nicht: In Momenten des Leerlaufs hat man die Möglichkeit zur Recherche bezüglich des baldigen Studiums oder der anstehenden Ausbildung. Somit bereite ich mich in diesem Jahr mental und gewissermaßen auch formal schon auf meine Zukunft vor.
Aber auch eine Pause im Lehrerzimmer oder ein Schwätzchen mit Kollegen sorgt immer wieder für nötige Geselligkeit am Arbeitsplatz.

Wie fällt dein (vorläufiges) Fazit aus?

Den BFD an den Schulen der Brede möchte ich als ein „Rundum-Paket“ beschreiben; nicht nur hinsichtlich des Kennenlernens eines normalen Arbeitsplatzes, sondern auch gegenüber Aspekten, wie z.B. der individuell gestaltbaren Arbeit und eben dem Gewinnen an Erfahrungen – positiven, aber auch weniger schönen, die dich selbst prägen.

Fotos: Kai Hasenbein

Ruben Fritsche (l.) experimentiert gemeinsam mit Tobias Arens (Mitte) und Julius Suckfüll (r.) aus der 7a.