„Wer nicht wiederholt, braucht eigentlich gar nicht zu lernen!“

Große Resonanz fand der Vortrag „Lernen lernen“ des Referenten Jürgen Möller bei den zahlreich erschienenen  Eltern der Klassen 5 bis 7 aus Gymnasium und Realschule: Versprochen hatte der Referent einen Abend voller Unterhaltung und mit Praxisbeispielen, die  Eltern aus dem Alltag sicher bekannt vorkommen werden, und zahlreiche konkrete Tipps, wie man strukturiert lernt. Dieses Versprechen hat er gehalten. Das liegt sicher auch daran, dass er auf einen großen eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.

Jürgen Möller ist Gymnasiallehrer und Mitgründer des Vereins LvB Lernen e.V. Seit mehr als zwölf Jahren steht das Thema „Lernen lernen“ im Mittelpunkt seiner pädagogischen Arbeit. In seiner Laufbahn als Lehrer war er an vielen verschiedenen Schulen tätig, von einer Grundschule über eine Berliner Brennpunktschule bis zu einem Privatgymnasium. Was seiner Erfahrung nach alle Kinder eint, ist die Notwendigkeit, die Grundlagen für das richtige Lernen zu (er)kennen. Deshalb bereist er Schulen und bietet einen Vortrag „Lernen lernen“ für die Eltern an.

Ziel seines Vortrags ist es, bei Eltern ein Grundverständnis für Lerntypen und Lernmethoden zu schaffen. Denn Kinder lernen in einer entspannten und angenehmen Atmosphäre viel leichter. Spannungen, zum Beispiel bei den Hausaufgaben, können Eltern einfach reduzieren, wenn sie mehr über den Lerntyp und die speziellen Bedürfnisse ihres Kindes wissen, ist der Referent überzeugt.

Folglich war der Vortrag zweigeteilt: Nach einer Vermittlung, wie das Gehirn arbeitet, wurden Lernstrategien wie z.B. die Strukturierung des Lernstoffs und die Wichtigkeit der Wiederholung an Beispielen sinnfällig dargestellt, denn „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“  Die Zuhörer konnten in Eigenversuchen selbst erfahren, welche Hilfe das strukturierte Lernen bietet.  Ohne Wiederholung ist Gelerntes nach etwa einem halben Jahr so gut wie vollständig aus dem Gedächtnis verschwunden, so dass Schüler voller Überzeugung behaupten: „Das haben wir noch nie gehabt!“ „Wer lernt und nicht wiederholt, braucht eigentlich gar nicht zu lernen!“, formulierte Lehrer Möller provokativ. Damit appellierte er an die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler (und auch an die Verantwortung der Eltern), sich den einmal in der Schule erworbenen Lernstoff auch wirklich selbstständig dauerhaft zu eigen zu machen. Erst dann könne dieser bei Bedarf jederzeit aus dem Gedächtnis abgerufen und angewandt werden.

Möller bezeichnete das Langzeitgedächtnis als Lagerhalle des Gehirns, in der man natürlich nur dann etwas wiederfinde, wenn es ein bestimmtes System gebe und nicht das ungeordnete Chaos alles beherrsche. Wichtig sei es, vor allem die sogenannten Basics (wie das Einmaleins, Vokabeln in Fremdsprachen und grammatische Regeln) regelmäßig zu wiederholen. Dabei sei stundenlanges einmaliges Wiederholen vor einer Arbeit praktisch sinnlos. Vielmehr gehe es um regelmäßiges Wiederholen in kleinen Einheiten, z.B. 10 Minuten, die als Ritual in den Tagesablauf eingebaut werden sollten.

Das Lernen mit und auf Internetplattformen wurde ebenfalls thematisiert und dann in einem zweiten Teil wurden die verschiedenen Lerntypen vorgestellt und auf kommunikative Störungen hingewiesen, die sich ergeben, wenn man dies nicht beachtet.

Dabei unterschied er den logisch-abstrakten, den sicherheitsliebenden, den kreativ-chaotischen und den emotionalen Lerner. Auch wenn diese Lerntypen in der Realität nicht rein vorkämen, sondern jeder Eigenschaften von allen Typen habe, so sei es doch wichtig zu wissen, welchen Lernertyp ein Kind vorwiegend verkörpere. Dann könnten Eltern und Lehrer ihr Kind nämlich in all seinen Stärken und Schwächen gezielt unterstützen. Dass viele Eltern ihre Kinder in den Aussagen Möllers wiedererkannten, wurde durch das häufige Lachen der Eltern bei beschriebenen Beispielen deutlich. Der Referent wünschte allen Eltern eine Portion „heitere Gelassenheit“ mit Umgang mit ihren Kindern und ihren Lernwegen und erntete am Schluss viel Applaus für den Vortrag.

Text: Elisabeth Zurhove

Fotos: Michael Thielemeyer