„Erfahrung, die mich mein ganzes Leben lang begleiten wird“

Julia Neumann (Abitur 2017) für ein Jahr als Missionarin auf Zeit in Bolivien

Frisches Kaffeewasser aus der heimischen Wasserleitung zapfen: In unseren Breiten ist dies eine nahezu automatisch ablaufende Tätigkeit, über die wohl niemand weiter nachdenkt. Seitdem die Albaxerin Julia Neumann (Abitur am Gymnasium Brede im Jahre 2017) von ihrem Dienst als Missionarin auf Zeit aus Bolivien zurückgekehrt ist, sieht sie vieles mit völlig anderen Augen – nicht nur die ständige Verfügbarkeit von frischem Trinkwasser. Dort, wo sie für bedürftige Menschen tatkräftige Hilfe unter dem Leitmotto „Mitleben – Mitbeten – Mitarbeiten“ gespendet hat, ist vieles eben nicht selbstverständlich. Vor einigen Tagen war Julia in der Brede zu Gast und hat von ihren beeindruckenden Erfahrungen berichten.

Julia hatte ihren Dienst direkt im Anschluss an ihr Abitur im Sommer 2017 zwar offiziell bei den Steyler Missionsschwestern versehen, diese wiederum unterhalten eine Kooperation mit den Josefsschwestern, die im Dort Sopachuy eine Tagesstätte mit angeschlossenem Internat für insgesamt 80 Kinder von fünf bis 13 Jahren betreiben. Da die Kinder rund um das Dorf einen zu gefährlichen und beschwerlichen Schulweg hätten, werden sie nach der Schule in der Einrichtung betreut und übernachten dann abends entweder bei Verwandten im Dorf oder im angeschlossenen Internat.

Dass sich hier ein Aufgabenspektrum für Missionare auf Zeit ergibt, das den Tagesablauf mehr als füllt, versteht sich fast von selbst: Vom morgentlichen Wecken und anschließendem Zähneputzen über Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, gemeinsame Gebete und Gottesdienste bis hin zur Gute-Nacht-Geschichte: Julias Tag hätte manchmal mehr als 24 Stunden benötigt. Besonders gerne hat Julia in der Hausaufgabenbetreuung für die Erst- und Zweitklässler geholfen, aber auch in der örtlichen Grundschule hatte sie zu Beginn unterstützt.

„Missionar auf Zeit“ – das sei viel mehr als nur eine Tätigkeitsbezeichnung für ein Jahr, ist sich Julia rückblickend sicher. Der Dienst werde vielmehr zur Lebenseinstellung und wirke sich spürbar auf die eigene Persönlichkeit und die konkrete Lebensgestaltung aus. Vorträge halten, aufklären, um Spenden werben: Auch nach ihrer Rückkehr lassen sie die Erfahrungen aus Bolivien nicht los.

Insbesondere liegt es ihr am Herzen, stereotype Darstellungen von Entwicklungsländern aufzubrechen: „Ich möchte den Menschen durch meine Vorträge Geschichten geben, damit es nicht nur die eine Geschichte über diese Länder gibt.“ Dankbar erinnert sich Julia Neumann an die bisherige Unterstützung ihres Anliegens durch ihre Heimatgemeinde Albaxen, beispielsweise durch die örtliche Grundschule, die Sternsinger oder hilfsbereite Einzelpersonen.

Was sie Interessierten, die aber noch zögern, mit auf den Weg geben würde? „Ihr sammelt Erfahrungen, die ihr nie mehr missen wollt und die euch ein ganzes Leben lang begleiten!“ Außerdem empfiehlt sie, unbedingt ein Jahr einzuplanen: „Ein halbes Jahr Freiwilligendienst erscheint mir zu kurz, denn dann erst hat man sich soweit eingearbeitet, dass man in allen Arbeitsbereichen eine wirkliche Hilfe ist.“

Text: Kai Hasenbein

Fotos: Julia Neumann

Titelfoto: Julia Neumann gemeinsam mit ihren Gastbrüdern auf dem Campo