Neue Perspektive auf Mitmenschen am Rande unserer Gesellschaft

Es ereignete sich vor einigen Jahren bei einem gemütlichen Bummel durch die Paderborner Fußgängerzone: Oliver Kleibrink und seine Familie wurden von einem wildfremden Mann um Geld angebettelt. Das Klischee passte: schlechte Verfassung, betrunken, wahrscheinlich sogar "auf Droge". Oliver Kleibrink erinnert sich noch genau an seine Reaktion, die zu einem Schlüsselerlebnis wurde: Es zog seine Kinder beiseite, um die Situation möglichst schnell zu umgehen. "Warum eigentlich?", fragt er sich heute rückblickend, denn inzwischen ist eine Foto-Ausstellung entstanden, die sich der Paderborner Drogenszene auf sehr beeindruckende Weise widmet.


Mit dieser Ausstellung war Oliver Kleibrink in der vergangenen Woche zu Gast an der Brede. Etliche Klassen und Kurse ließen sich von seinen ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bildern in ihren Bann ziehen. Die Fotos sind schonungslos, aber dennoch voller Herz und Emotion. Das Schicksal der Menschen aus der Paderborner Drogenszene berührte enorm und eröffnete ganz neue Perspektiven auf die Mitmenschen am Rande der Gesellschaft mit ihren Schicksalen, die uns so fremd erscheinen.Wie es ihm gelungen sei, die Menschen für sein Projekt zu gewinnen, wurde

Oliver Kleibrink von den Schülerinnen und Schülern oft gefragt. Und so erzählte Kleibrink gerne die Geschichte, die ihm hohe Ausdauer und viel Einfühlungsvermögen abverlangt hat: Über viele Monate hinweg hat er sich behutsam das Vertrauen der Drogenabhängigen in der Paderborner Zentralstation erworben, bis er sie eines Tages gefragt hat, ob sie sich an einem außergewöhnlichen Fotoprojekt beteiligen würden. „Ich möchte eurer Not ein Gesicht geben“, war damals sicherlich eines der überzeugendsten Argumente.

Schulsozialarbeiterin Nicole Schroeder hatte den Kontakt hergestellt und die Ausstellung an der Brede organisiert. Die Wege im Augustinushaus musste sie Oliver Kleibrink nicht erklären, hat er doch im Jahre 1994 sein Abitur am Gymnasium Brede abgelegt. Und so konnte er seine viertägige Arbeit an der Brede auch mit einem Wiedersehen seiner ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer verknüpfen.

Text und Foto: Kai Hasenbein