In einem Poetry-Slam dem eigenen Glauben intensiv begegnet

Eine außergewöhnliche, gleichzeitig sehr intensive Auseinandersetzung mit ihrem Glauben erlebten jetzt die Schülerinnen und Schüler der 9c unseres Gymnasiums: In einem Poetry-Slam-Workshop unter dem Motto „Was glaubst du, was du glaubst?“, der von Alex Paul aus Paderborn geleitet worden ist, begegneten sie grundlegenden Fragen ihres Lebens und ihres persönlichen Glaubens.

Ziel des Workshops war das Erstellen eines gemeinsamen Textes. In einem vorbereitenden ersten Workshopblock kamen die Schülerinnen und Schüler zunächst über Fragen des Glaubens ins Gespräch, woran sich zwei Schreibübungen anschlossen. Im zweiten Block stand die Arbeit am gemeinsamen Poetry-Slam im Mittelpunkt: Aus einzelnen Passagen, die in Einzel- oder Gruppenarbeit erstellt werden konnten, wurde ein Text zusammengestellt, vorgetragen und besprochen.

Im Folgenden lesen Sie Auszüge aus dem Konzept dieses Workshops:

  • Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 (14/15 Jahre) sollen Auskunft geben – nicht über ihre Religion oder Konfession, sondern über Bedingungen, in denen sie selbst befinden.
    Was lässt sie glauben? Was lässt sie wünschen, an etwas zu glauben (oder glauben zu können)? Was treibt sie eventuell dazu, sich von einem Glauben abzuwenden, den sie kulturell vermittelt bekamen (Familie, Kirche, Schule)? Welche Hilfestellung für sich selbst erwarten sie vom Glauben?
  • Das führt zu grundsätzlichen Fragen: Was ist eigentlich Glaube? Wie wirkt Glaube? Macht es mich stark, besser, sicherer zu glauben? Wie macht sich Glauben bemerkbar? Woran kann ich glauben, nicht glauben? Wie geht es zu glauben? Und: Geht es, ohne Glauben zu leben, oder sind wir glaubenslos unbeschützt und dem Schicksal ausgeliefert?
  • Es stellen sich auch pragmatische Fragen: Was möchte ich über Glauben wissen? Was erwarte ich von der Welt der Erwachsenen (Familien, Schule, Kirche) in Bezug auf den Glauben: Unterstützung, Information, Hilfestellung, Vorbildcharakter oder einfach nur, in Frieden gelassen zu werden? Wie und in welcher Form kann man Glauben leben?
  • Schülerinnen und Schüler sollen auch sagen können, woran sie glauben (Religion/Konfession/andere Glaubenswerte). Sie sollen aber nicht auf diese Frage hin bedrängt werden.
  • Grundsätzlich ist es schwierig, über Glauben und Transzendenz zu reden – weil diese Themen über den Horizont der Realität, des Alltags, auch der Sprache hinausreichen. Deshalb wird keine schlüssige Aussage über den Glauben verlangt, sondern eine Sammlung von Eindrücken, Gefühlen, Zorn und Angst, aber auch Glück und Zufriedenheit, Argumente und Gegenargumente …
  • Dieses Mosaik von Gedanken und Gefühlen aufzufangen und zusammenzufügen kann Poetry Slam leisten, weil diese Literaturform strikt auf die individuelle Ebene zurückführt und die Unmittelbarkeit des Empfindens zum bevorzugten Stilmittel macht. Der Respekt der Zuhörer und Leser ist auch hier selbstverständlich: für die Texte und für die Autoren.

Foto: Kai Hasenbein