Der Bibelgarten als Ort der Besinnung und der religiösen Symbole

Zentral im Garten ist das Thema „Begegnung“. Ein Blickfang des Gartens ist der Brunnen.

Der Künstler Raphael Strauch aus Helmern entwarf die Figurengruppe „Jesus und die Samariterin am Jakobbrunnen“. In seiner Figurengruppe bezieht er sich auf den Text des Johannesevangeliums und stellt die Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin dar (vgl. Joh 4, 4-43), die an einem Brunnen stattfand, den der Patriarch Jakob errichtet haben soll.

Die Wege in diesem Teil des Gartens führen alle kreisförmig hin zu diesem Brunnen der Begegnung. In den dabei entstandenen Beeten wurden Stauden gepflanzt, die entweder dem kirchlichen Jahreskreis entsprechend blühen (z.B. von der Christrose bis zur Pfingstrose) oder in der Bibel vorkommen wie Lilien „in all ihrer Pracht“. Die kreisförmige Wegeführung ist angelehnt an das Labyrinth, das im christlichen Sinn kein Irrgarten ist, sondern den Weg zum Inneren, zur Mitte weist. Für alle Labyrinthe gilt: Sie haben einen Mittelpunkt. Der Weg ins Innere des Labyrinths steht symbolisch für den Weg zu sich selbst, zur eigenen Mitte. Wer sich auf den Lebensweg macht, muss im Leben manche Kehren und Längen beschreiten. Die Bögen lassen sich als Symbol der eigenen Lebenswendungen verstehen. Das Kreuz im Mittelpunkt des Weges durchzieht alles. Unser Leben wird vom Kreuz berührt und getragen, auch wenn es nicht auf dem ersten Blick erkennbar ist.

Eine weitere wichtige Begegnung verdeutlicht der Maulbeerbaum des ersten Abschlussjahrgangs der Realschule. Er nimmt Bezug auf die Begegnung zwischen Jesus und dem Zöllner Zachäus (Lukas 19, 1-10): „Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Diese Geschichte verdeutlicht, wie sehr Begegnungen, das Gesehenwerden, Menschen verändern und bereichern können.

Weitere biblische Bäume sind eine Feige und ein Olivenbaum. Sie haben hier im Bibelgarten ebenso ihren Platz gefunden an der Seite des Apfelbaums, den die Schulgemeinde damals Schwester Diemut, der ehemaligen Schulleiterin, zu ihrem Abschied schenkte.

 

Von der Weinlaube erstreckt sich der Blick wieder über den Mittelpunkt, der noch mit einer Steele versehen wird, auf den Brunnen. Vielfältig sind die biblischen Bezüge zum Weinstock und den Reben in der Bibel. In der Laube kann man in Ruhe sitzen, den Garten genießen oder sich mit jemandem unterhalten.

 

Die Kräuterspirale wurde 2019 von Eltern beim sogenannten „Grillnachmittag der Klassen 5“ erstellt. Auch hier geschah Begegnung, das Kennenlernen der neuen Eltern 5.

Die Spirale selbst gilt als Zeichen für ein sich auf Christus hin erneuerndes Leben. Auch sie führt in die Mitte. Die Spirale symbolisiert gleichermaßen den Geburts-wie den Todesweg eines Menschen, sie steht für Hoffnung.

Bepflanzt wurde die Kräuterspirale mit Kräutern, von denen viele auch in der Bibel vorkommen.

„Zu Bibelpflanzen zählen beispielsweise Safran, Dill, Koriander oder Kreuzkümmel – sie sind nie verloren gegangen“, so Karin Geis, eine Kräuterexpertin. Auch Knoblauch, Lauch und Zwiebel seien über die Jahrtausende „nie vergessen worden“. Vor allem die Römer und die Benediktiner-Mönche haben die verschiedenen Kräuter bis nach Deutschland getragen. „Ohne die Mönche und Hildegard von Bingen gäbe es heute wahrscheinlich viel weniger Wissen über die Kräuter und ihre heilenden Wirkungen.“

Ein kleiner Teil des Bibelgartens ist auch der Wüste vorbehalten. Viele biblische Geschichten spielen in der Wüste. Bei den biblischen Wüstenregionen handelt es sich um öde Gegenden, die nicht bewohnt sind und in denen – abgesehen von einigen Dornensträuchern – kaum etwas wächst. In den Wintermonaten, in denen es auch in der Wüste ein wenig Niederschlag gibt, können diese Gebiete von den Nomaden, zu denen auch der Patriarch Jakob zählte, als Weideplätze genutzt werden.

Die Wüste hat auch eine symbolische Bedeutung. Sie zeigt auf, wie wir uns auch fühlen können in unserer Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen. Gleichzeitig ist sie aber auch Verheißung. Dürr und ausgebrannt ist die judäische Wüste fast das ganze Jahr über. Aber im Frühjahr brechen aus den Halden Blumen hervor und die Steppe wird grün.

„Es triefen auch die Auen in der Steppe und die Hügel sind erfüllt mit Jubel.“ (Ps 65,13) heißt es in den Psalmen; und beim Propheten Jesaja steht: „Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.“ (Jes 35,1)

In die Wüste ziehen sich Menschen zurück, um Abstand vom alltäglichen Leben zu gewinnen und ihr Leben auf Gott auszurichten (vgl. Johannes den Täufer).Als die Israeliten aus Ägypten herausziehen, muss das Volk Gottes lange durch die Wüste wandern. Es erfährt auch in dieser Umgebung die Fürsorge und Nähe Gottes. Auch Jesus wird in die Wüste geführt und soll versucht werden. Er stellt unter Beweis, dass er sich allein auf Gott verlässt. (Mt, 4,1-8)

Der Steinkreis im Bibelgarten besteht aus 17 Steinen.

Hiermit wird wieder – wie auch beim Brunnen – indirekt auf die Patriarchengeschichte verwiesen. Der Lieblingssohn des Patriarchen Jakob war Joseph. Mit 17 Jahren wird er von seinem Vater getrennt und von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft. Nach der glücklichen Auflösung des Geschwisterstreits und der Zusammenführung der Familie lebt Jakob noch 17 Jahre im Lande Ägypten. Die erste Bibelstelle zeigt den Beginn der Leiden Jakobs wegen der Trauer um Joseph. Die zweite Bibelstelle zeigt die glückliche Zeit, in der Jakob wieder mit Joseph vereint war. 17 wird in der Bibel auch als Zahl der Vollendung betrachtet.

In der Mittel ist eine Feuerstelle. Feuer und Wasser (Brunnen) sind Symbole für die Kraft des Lebens. Feuerflammen / Rauchsäulen sind ein Zeichen für die Gegenwart Gottes (z.B. beim Exodus).