22.04.2026

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“: In diesem Sinne setzten jetzt 50 Schülerinnen und Schüler der Realschule Brede und des Gymnasiums Brede, die am vergangenen Freitag die Ausgestaltung des Programms für die Verlegung von Stolpersteinen in der Brakeler Kernstadt übernommen hatten, ein deutliches Zeichen für Mitmenschlichkeit und Erinnerungskultur. Ausgerichtet und organisiert worden ist die Gedenkveranstaltung vom Heimat- und Museumsverein Brakel.

Die Namen und Schicksale der insgesamt acht Verfolgten, Entrechteten und Ermordeten wurden an drei Orten von Lilli Riesel, Celina Neufeld, Stella Voß, Dana Schiwek, Celina Peine, Victoria Lüke, Jonas Marx und Niklas Friesen aus der Klasse 10Ra vorgetragen. Ihre Mitschülerinnen Meryan Yacoub und Marie Althaus erinnerten am Schoppenstiel 3 mit dem Gedicht „Als sie die Juden holten“ von Martin Niemöller daran, wie wichtig es ist, sich frühzeitig gegen jede Form von Ausgrenzung zu stellen. Am gleichen Ort trugen Emma Tillmann und Amy Meißner aus der EF das Gedicht „Ich war nur ein Korn“ der Schriftstellerin und Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum vor, in dem diese Einblicke in ihre Leidensgeschichte gewährt, gleichzeitig aber dazu aufruft, die eigene Stimme zu erheben und an die Schrecken des NS-Terrors zu erinnern.

Henri Schauf und Amy Meißner aus dem Jahrgang EF stellten in einem Dialog heraus, dass die Stolpersteine daran erinnern, dass Verfolgung und Entrechtung an dem jeweiligen Verlegeort begonnen haben: „In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen einfach aus ihren Wohnungen abgeholt. Der Stein gibt ihnen ihren Namen und ihre Identität zurück.“ Über die Stolpersteine stolpere man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf und mit dem Herzen: „Wir erinnern uns an die Vergangenheit, damit wir heute und in Zukunft besser zusammenleben.“

Bredenlehrer Kai Hasenbein verwies in seiner Ansprache auf den hohen Wert der Stolpersteine in der heutigen Zeit. An diesen Orten sei historische Wahrheit im wahrsten Wortsinn unverrückbar: „Die Steine sind fest verankert im Boden und erinnern an jene, die hier wirklich gewohnt und gelebt haben.“ Am vergangenen Freitag wurden Stolpersteine für Adolf Lobbenberg, Jenny Rose sowie Rudolf, Walter, Else, Otto, Amalie und Johanna Lobbenberg verlegt.

Da es heute kaum vorstellbar ist, welche Grausamkeiten die aus Brakel deportierten Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Konzentrationslagern erleiden mussten, trug Maram El Attar (EF) das eindringliche Gedicht „Der Appell“ von Dan Pagis vor, in dem von dem allgegenwärtigen Terror in den Lagern berichtet wird. Malin Otte und Anna Tölle (ebenfalls EF) äußerten abschließend in zwei Gebeten den Wunsch nach Dialog, Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Frieden.

Eine der Verfolgten, derer am vergangenen Freitag mit einem Stolperstein gedacht worden ist, war Jenny Rose. Schulleiter Dr. Matthias Koch erinnerte an ihrem letzten Wohnort an ihr Leben in Brakel und verwies auf den besonders engen Zusammenhang zur Brede, da sie selbst Schülerin unserer Schule war, später aber von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet wurde: „Auch für sie gibt es jetzt in Brakel in der Ostheimer Straße 25 ein bleibendes Andenken.“

Ausdrücklich würdigte Dr. Koch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler an diesem Tag: „Die Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 10 und 11 von Realschule und Gymnasium hatten entscheidenden Anteil daran, dass die Verlegung der Stolpersteine zu einem eindrücklichen Erlebnis geworden ist. Unter der Leitung von Herrn Hasenbein hatten sie sich erkennbar umsichtig auf diesen Tag vorbereitet und sehr passende Texte herausgesucht oder auch selbst geschrieben, die die Zuhörer wirklich erreicht haben.“

Vier Tage vor der Verlegung der Stolpersteine machten sich die Schülerinnen und Schüler der 10Ra mit Frau Heimann und Herrn Hasenbein auf den Weg in die Stadt, um jene Stolpersteine zu reinigen, für die die Brede die Patenschaft übernommen hat.

Text: Kai Hasenbein