© Besim Mazhiqi / Erzbistum-Paderborn

173 Jahre berufliche Bildung an der Brede ein Rückblick

Innerhalb von 173 Jahren haben 7.271 junge Menschen die sechs Bildungsgänge in den Fachbereichen Wirtschaft/Verwaltung, Hauswirtschaft und Kinderpflege sowie Sozialpädagogik abgeschlossen. Annette Lücht, Hubertus Roland und Reinhard Dittrich haben den folgenden Rückblick zusammengestellt.

Bedeutung des Berufskollegs Brede in der Region

Das Berufskolleg Brede war eine Erfolgsgeschichte. Junge Menschen wurden nicht nur ausgezeichnet auf eine berufliche Ausrichtung oder ein Studium vorbereitet, sondern es wurde Wert auf die Vermittlung gesellschaftlicher und religiöser Werte gelegt. Innerhalb von 173 Jahren haben 7.271 junge Menschen die sechs Bildungsgänge in den Fachbereichen Wirtschaft/Verwaltung, Hauswirtschaft und Kinderpflege sowie Sozialpädagogik erfolgreich abgeschlossen. Die Absolventen des Berufskollegs finden sich in verantwortlicher Position im Erziehungswesen, in der Hauswirtschaft, im Handel, im Dienstleistungsbereich, in der kommunalen und kirchlichen sowie in der Kreis- und Bezirksverwaltung, im Handwerk, in der Industrie wieder oder führen als Selbstständige inzwischen elterliche oder gründeten eigene Betriebe.

Bei den Ehemaligentreffen, angeboten durch den Förderverein der Schulen der Brede, erfährt man, dass viele Ehemalige nicht nur ihre private und berufliche Existenz in der näheren Region aufgebaut haben. Sie sind außerordentlich ehrenamtlich aktiv – u. a. in Sportvereinen, bei der Feuerwehr, in den kirchlichen Gemeinden, in den Schützenvereinen, in karikativen Einrichtungen, in der kommunalen Politik.

Der Schulträger schließt das Berufskolleg Brede zum Schuljahresende 2024

Im Rahmen einer Neustrukturierung unserer Bündelschule entscheidet der Schulträger im Jahr 2021, dass das Berufskolleg Brede auslaufen soll. Diese Nachricht kommt für die gesamte Schulgemeinde sehr überraschend. Der Schulträger erklärt, dass im Hinblick auf die Rückkehr zu G9 am Gymnasium und wegen der anhaltend hohen Nachfrage an der Realschule die Kapazitäten nicht ausreichten, alle drei Abteilungen weiterzuführen. Diese Entscheidung bedauern wir aus der Sicht des Berufskollegs außerordentlich.

Veränderungen der Schullandschaft – Auswirkungen auf das Berufskolleg

Schulpolitische Entscheidungen wie das Auslaufen einiger Real- und Hauptschulen im Kreis Höxter und die Einrichtung von Sekundar- und Gesamtschulen, demographische Entwicklungen sowie die Digitalisierung der Arbeitswelt stellten in den vergangenen Jahren besonders das Berufskolleg vor neue Herausforderungen. Im Vertrauen auf Gott sowie mithilfe eines engagierten Kollegiums und Eltern, die ihre Kinder weiterhin dem Berufskolleg anvertrauten, wurden diese Herausforderungen bis zum Schluss gelöst. So konnten auch dank der guten digitalen Ausstattung der Schulen der Brede der Unterricht und die Prüfungen während der Corona-Pandemie hervorragend gemeistert werden.

 

Schülerzahlen:

Einjährige
Haushaltungs-schule
Zweijährige
Handelsschule
Zweijährige
Kinder-pflegerinnenschule
Zweijährige
Höhere
Handelsschule
Dreijähriges
Berufliches
Gymnasium
Zweijährige
Fachoberschule
1851 – 1966 1927 – 1994 1966 – 1979 1985 – 2022 1997 – 2024 2012 – 2024
2.250 1.950 262 1.866 669 278

 

Summe: 7.271 Schülerinnen und Schüler, die den Abschluss erreicht haben.

 

Am 2. Mai 1850 trafen die ersten Schwestern des Ordens „Arme Schulschwestern v. U. L. Frau“ aus München in dem damaligen preußische Brakel ein. Bereits am 4. Mai übernahmen die Ordensgründerin Maria Theresia Gerhardinger und ihre Schwestern die Stiftung „Waisenanstalt und Freischule des Klosters Brede“. Bereits ab 1851 entwickelte sich auf der Brede ein Schulsystem für Mädchen. Ziel war es, ein Bildungs- und Ausbildungssystem für junge Frauen vor allem in ländlichen Gebieten zu schaffen. In einem der ersten Kindergärten des Kreises Höxter führten die Schwestern die Kleinkindpädagogik methodisch ein. Mit dem „Haushaltungspensionat“ begann 1851 die berufliche Bildung an der Brede. Wer konnte damals schon ahnen, dass dies eine 173-jährige Erfolgsgeschichte werden würde?

Die Haushaltungsschule (1851 – 1966)

Im Jahre 1851 wurde eine einjährige Haushaltungsschule (heute Berufsfachschule für Hauswirtschaft) als ein vom Staat genehmigtes „Haushaltungspensionat“ gegründet, das nicht unter staatlicher Kontrolle stand. Die Schule wurde von „Mädchen aus bäuerlichen und bürgerlichen Kreisen besucht, die sich eine umfassende und gediegene Kenntnis der Fertigkeiten aneignen wollten, die sie als Hausmütter brauchen würden.“ (Bredenbrief 1965/66, S. 51)

Im Zuge der Neuordnung des Berufsfachschulwesens wurde Ostern 1966 die einjährige Haushaltungsschule in eine zweijährige Berufsfachschule für Kinderpflegerinnen umgewandelt.

 

Die Berufsfachschule für Kinderpflegerinnen (1966 – 1979)

Die Ausbildung umfasste neben allgemeinbildenden und sozial-pflegerischen Fächern eine hauswirtschaftliche Grundausbildung. Die sozialpädagogische Praxis in der Pflege und Erziehung des Kleinkindes wurde im ersten Jahr im Kindergarten Brede und im Kath. Kindergarten im Heinefeld durchgeführt, im zweiten Jahr in Brakeler Familien mit Kleinkindern. Die Ausbildung schloss mit einer staatlichen Prüfung ab.

Im Jahr 1979 wurde auch dieser Bildungsgang geschlossen. Dazu sagte die Schulleiterin Schwester Maristella: „Nun schließen wir unsere Kinderpflegerinnenschule wegen der gewandelten Situation in den sozialen Einrichtungen.“

Die Handelsschule (1927 – 1994)

Den Grundstein des Berufskollegs im Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung mit zum Schluss drei Bildungsgängen wurde am 03.12.1926 gelegt, als die Armen Schulschwestern v. U. L. Frau die staatliche Genehmigung zum Einrichten einer „Kaufmännischen Privatschule des Klosters Brede“ erhielten. Ostern 1927 begann der Unterricht in der ersten Klasse der „Zweijährigen Handelsschule“. Auf dem Stundenplan standen Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Buchführung, kaufmännisches Rechnen, Englisch, Wirtschaftskunde, Bürgerkunde, Lebenskunde, Stenographie, Maschinenschreiben, Kochen, Handarbeit und Turnen. Am 21.03.1928 wurde die „Zweijährige Handelsschule Brede“ endgültig staatlich anerkannt. Gemäß dem Leitbild der Ordensgründerin Schwester Maria Theresia Gerhardinger, sich in besonderer Weise gerade der Bildung und Ausbildung von Mädchen zu widmen, erkannten die Armen Schulschwestern v. U. L. Frau im Kloster Brede früh die Notwendigkeit einer schulischen Ausbildung und Vorbereitung von Mädchen für kaufmännische Berufe, weil dies nur für Jungen an der Handelsschule Höxter möglich war.

Die Änderung der Schulpolitik in NRW in den 1980er und 1990er Jahren führte dazu, dass die Realschulen mehr und Hauptschulen weniger besucht wurden. Folglich meldeten sich weniger Schülerinnen und Schüler für die zweijährige Handelsschule an. Die Bedeutung der Handelsschule nahm ab, während die Höhere Handelsschule vermehrt nachgefragt wurde.

Die Kriegszeit – Zeit des Nationalsozialismus

Das NS-Regime hob 1941 die Genehmigung der Schulen auf und die Schülerinnen wurden von der Kreisberufsschule Höxter übernommen. Der Unterricht fand aber weiterhin im Schulgebäude der Brede statt und auch die Schwestern durften weiter unterrichten, bis im Herbst 1944 das Schulgebäude der Brede ein Lazarett für kieferverletzte Soldaten und später der Aufenthalt für 1.000 verschleppte russische Männer wurde. Auf diese Weise entzogen sich die Schulen auf der Brede der Enteignung durch den NS-Staat.

Am 01.02.1946 gingen die Schulen der Brede wieder in die Trägerschaft der Armen Schulschwestern über und ab 1947 besuchten auch Jungen die zweijährige Handelsschule Brede. 1948 begann Schwester Carola Woldering ihren Dienst als Lehrerin, die bis 1998 Schülergenerationen vor allem Kenntnisse in Maschinenschreiben und Kurzschrift vermittelte. Immer war sie – und damit das Berufskolleg – auf dem neuesten Stand der Technik der Textverarbeitung: zunächst mit mechanischen, dann elektrischen, schließlich elektronischen Schreibmaschinen bis hin zu Computern.

Der Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung gewann wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Dieser Entwicklung passte sich der Orden als Schulträger an und eröffnete die Höhere Handelsschule. Im Bereich der Erziehung konzentrierten sich die Schwestern auf die Ausweitung des Kindergartens Brede, der sich heute zu einem Familienzentrum entwickelt hat.

Die 60er Jahre waren, was die Schulleitung betraf, eine bewegte Zeit, bis Schwester Baptista Kerkhoff im August 1970 die Leitung übernahm und das Berufskolleg bis 2003 führte. In dieser Zeit änderte sich nicht nur der Name – aus der „Handelsschule Brede“ wurde die „Berufsfachschule Brede“ und schließlich das „Berufskolleg Brede“ – sondern auch das Angebot der Bildungsgänge.

Die Änderung der Schulpolitik hatte zur Folge, dass mehr junge Menschen das 10. Pflichtschuljahr mit dem Abschluss der Fachoberschulreife verließen und gleichzeitig die Anforderungen in Wirtschaft und Verwaltung stiegen. Das war der Beweggrund für die Einführung des Bildungsgangs „Höhere Handelsschule“ im Schuljahr 1983/84, die von den Schülerinnen und Schülern mehr und mehr angefragt wurde. Dieser Bildungsgang schießt mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife bzw. nach Absolvierung von 24 Praktikumswochen mit der Fachhochschulreife ab.

Aufgrund der großen Nachfrage wurde der Bildungsgang schon bald zwei- zum Teil auch dreizügig geführt. Damit erweiterte sich natürlich auch die Größe des Kollegiums, im Jahr 1985 waren es schon 20 Lehrerinnen und Lehrer, die aber zum Teil gleichzeitig oder überwiegend am Gymnasium Brede oder an der Gerhardinger-Schule in Warburg unterrichteten. Bald reichte das „Turmzimmer“ im dritten Stock des Augustinus-Hauses, das bis dahin gleichzeitig als Amtszimmer, Lehrerzimmer und Schulsekretariat diente, platzmäßig nicht mehr aus.

Im Jahr 2022 verließen die letzten Absolventen der Höheren Handelsschule die Schule. Auf Wunsch der Schulleitung und des Kollegiums sollte dieser zweijährige Bildungsgang durch eine „Zweijährige Höhere Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales“ ersetzt werden, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden, in denen gut ausgebildete junge Menschen in medizinischen und sozialen beruflichen Ausrichtungen händeringend gesucht wurden. Dieser Bildungsgang wurde von der Bezirksregierung nicht genehmigt.

Zum 1. Februar 1994 übergaben die Armen Schulschwestern aus finanziellen und personellen Gründen die Trägerschaft an die Stiftung „Gymnasium und Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung Brede in Brakel“. Der Bildungsgang der zweijährigen Handelsschule wurde an der Brede nicht mehr angeboten. Stattdessen wurde als Alternative zum sprachlichen Schwerpunkt (Französisch oder Spanisch) der Schwerpunkt Bürowirtschaft in der Höheren Handelsschule eingerichtet.

Den nächsten Meilenstein setzte die Einrichtung der „Dreijährigen Höheren Berufsfachschule mit gymnasialer Oberstufe“, dem späteren Bildungsgang des Beruflichen Gymnasiums (Wirtschaftsgymnasiums).

Den Absolventinnen und Absolventen der Realschulen sollte am in der Mitte des Kreises Höxter gelegenen Schulstandort Brakel mit dem dreijährigen Bildungsgang „Berufliches Gymnasium Wirtschaft und Verwaltung“ ein weiterer Weg zur Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) angeboten werden. Die Schülerinnen und Schüler können nach dem Bestehen der Abiturprüfung ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule beginnen. Sie erreichen an einer Schule mit christlichem Erziehungsziel auch eine Höherqualifizierung als zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wirtschaft und Verwaltung.

Umzug in den Neubau: Nach dem Trägerwechsel zur Schulabteilung des Erzbistums setzte eine große Neu- und Umbaumaßnahme ein. Das Berufskolleg verfügte ab dem Jahr 2001 über ein eigenes Gebäude – das heutige Bonifationshaus. Auch unterrichtlich konnten aufgrund der guten Ausstattung neue Impulse gesetzt werden. Dem Berufskolleg standen nun zwei hochwertige Computerräume zur Verfügung.

Wechsel in der Schulleitung: Nach 34 Jahren großartigen Engagements für das Berufskolleg ging die Schulleiterin Schwester Baptista 2003 in den wohlverdienten Ruhestand. Sie wurde durch ihre fachliche Kompetenz und ihr zielstrebiges Engagement für ihre Schülerinnen und Schüler mit Herz und Seele über die Grenzen Brakels hinaus bekannt. Aufbauend, ordnend und dienend wirkte sie in ihrer Arbeit mit jungen Menschen, Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Bündelschule Brede: Nach der Einführung der Realschule Brede wurden die Schulen der Brede im Jahr 2012 zu einer Bündelschule. Die Bündelschule „Schulen der Brede“ mit den Schulformen Gymnasium, Berufskolleg (mit drei Bildungsgänge) und Realschule war einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Nicht nur Schülerinnen und Schülern der Brede wurden unter einem Dach zwei Wege zum Abitur und zwei Wege zur Fachhochschulreife ermöglicht. Es begann ein neues spannendes und zukunftsweisendes Kapitel für das Berufskolleg Brede.

Ab dem Schuljahr 2012/13 wurde innerhalb der Abteilung Berufskolleg als dritter Bildungsgang die Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung eingerichtet, die in der Zeit ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis Höxter genoss.

Diese Schulform ermöglicht es, das im Unterricht Erlernte sofort in der Praxis anzuwenden. Und durch das in der Jahrgangsstufe 11 an 3,5 Tagen pro Woche zu leistende Jahresbetriebspraktikum können die in der Praxis gewonnenen Eindrücke sinnvoll in den Unterricht einbezogen werden. Dieser Bildungsgang endet nach bestandener Abschlussprüfung in der Jahrgangsstufe 12 mit der Fachhochschulreife. Den Schülerinnen und Schülern wurde oft schon am Ende des Praktikumsjahres ein Ausbildungsvertrag angeboten.

Bildung und Erziehung

Gerade in der heutigen Zeit suchen viele Eltern eine Schule für ihre Kinder, die sich nicht auf die Wissensvermittlung beschränkt, sondern ganz bewusst auch Werte vermittelt, die an dieser Schule auch gelebt werden. Die christliche Grundprägung in der Tradition der Armen Schulschwestern ist und bleibt die Grundlage der gesamten Bildung und Erziehung an unserer Schule.

Ziel des Berufskollegs war es, junge Menschen zu befähigen in ihrem Umkreis dazu beitragen, die Welt ein wenig menschlicher und im christlichen Sinn wertebewusster zu gestalten. Die Gespräche und Rückmeldungen vor allem auf den jährlich vom Förderverein der Schulen der Brede organisierten Ehemaligentreffen geben uns Lehrerinnen und Lehrern das Gefühl, eine gute Arbeit geleistet zu haben.

 

Profilierung und Projekte

Um die Schülerinnen und Schüler schon sehr früh auf die einsetzende Digitalisierung vorzubereiten, drückten zunächst alle Kolleginnen und Kollegen des Berufskollegs noch einmal die Schulbank und ließen sich in die Geheimnisse der Computer einweihen. Mit Hilfe von Sponsorengeldern wurde ein Computerraum (damals hieß er noch DV-Raum = Datenverarbeitungsraum) eingerichtet. Mit Unterstützung der Kooperationspartner und Geldern des Schulträgers konnten die Schülerinnen und Schüler an Computern, die der jeweils neuesten Technik entsprachen, ausgebildet werden.

Am Berufskolleg Brede wurde das soziale Engagement großgeschrieben. In den letzten Jahrzehnten engagierten sich die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern durch vielfältige Aktionen und Spenden besonders für Projekte von Schwester Karoline Mayer in Chile, Peru und Bolivien. Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage haben Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer deutliche Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung, Rassismus, Mobbing und Gewalt gesetzt. Die Verpflichtung zu den Zielsetzungen der Zertifizierung entspricht dem Auftrag einer katholischen Schule. Die Patenschaft für dieses Projekt übernahm Erzbischof Hans-Josef Becker.

Da die neuen Schülerinnen und Schüler in der Regel nur zwei oder drei Jahre einen Bildungsgang des Berufskollegs Brede besuchten, war dem Kollegium eine Willkommenskultur wichtig. Vor den Sommerferien wurden Eltern und Schülerinnen sowie Schüler über die Besonderheiten ihres Bildungsgangs und mögliche Praktika informiert. Bei einem anschließenden gemütlichen Zusammensein konnten erste soziale Kontakte geknüpft werden. Ein weiteres Element der Willkommenskultur waren auch die Einführungstage zu Beginn des neuen Schuljahres, die die „Neuen“ sowohl mit Lernstrategien als auch mit Werten der Schule vertraut machten.

Die Berufsvorbereitung und Unterstützung bei der Berufswahl standen seit Beginn der „Handelsschule“ im Vordergrund. So gehörten Betriebsbesichtigungen nicht nur in Brakel zum festen Bestandteil des Unterrichts, die erste Fahrt erfolgte 1951 nach Iserlohn. Es entwickelten sich gerade in den 90er Jahren Veranstaltungen wie Bewerbertraining durch die Kooperationspartner aus Handel, Dienstleistung und Verwaltung, Berufsinformationstage durch die Ehemaligen sowie Vorträge von Referenten aus Handel, Dienstleistung und Verwaltung an den Klassenpflegschaftsabenden. Mit innovativen Geschäftsideen aus dem Leistungskurs „Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen“ machten zum Beispiel Schülerinnen und Schüler selbst auf der bundesweiten Bildungsmesse Didacta in Köln auf das Berufskolleg Brede aufmerksam.

Die im Fach Betriebswirtschaftslehre erworbenen Kenntnisse wurden in den Schülerfirmen „Snacks and more AG“ (Cafeteria) und EcoStore (Schülergenossenschaft) sowie zahlreichen Wettbewerben (Planspiel Börse, Planspiele zur Unternehmensgründung) praktisch umgesetzt.

Stillstand ist Rückschritt, deshalb wurde die Idee der Bündelschule in immer mehr Bereichen praktiziert. Stolz konnte das Berufskolleg auf seine Siegel, zum Beispiel das 2018 verliehene Berufswahl-Siegel Nordrhein-Westfalen für die ganze Bündelschule oder das MINT-EC-Siegel, sein, in denen die gute fachliche Arbeit und Zusammenarbeit der Abteilungen Gymnasium, Berufskolleg und Realschule von Experten evaluiert und ausgezeichnet wurde.

Der Synergie-Effekt der Bündelschule zeigte sich u. a. in der Vorbereitung, Durchführung, Betreuung und Nachbereitung der Praktika. Dadurch konnten Kontakte zu den Betrieben in der Region und zur Fachhochschule für Wirtschaft und Verwaltung (FHDW) in Paderborn für die Schülerinnen und Schüler aller Bildungsgänge der Schulen der Brede genutzt werden. In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner FHDW nahmen alle Schülerinnen und Schüler an einem Business-Knigge-Seminar teil, in dem Umgangsformen und Wirkung der eigenen Person im Wirtschaftsleben analysiert und eingeübt wurden. Auch der Einstieg in ein Studium schon während der Schulzeit wurde an den Fachhochschulen in Bielefeld und Paderborn mit dem Erwerb von Leistungspunkten ermöglicht.

Im Anschluss an eine Klassenfahrt nach Prag wurde 1991 der Grundstein für eine bis heute andauernde Schulpartnerschaft mit der Prager Wirtschaftsschule „Obchodni Akademi Praha-Bubenec“ gelegt. Sie gehört zur Tradition des Berufskollegs und inzwischen auch der Schulen der Brede. Ziel einer Schulpartnerschaft, zudem mit einem Land, das unter der NS-Zeit bitteres Unrecht erleiden musste, ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die Verhaltensweisen und Entscheidungen des jeweiligen Partnerlandes besser verstehen, wenn sie die politische und die soziale Lage des anderen Landes, seine Geschichte, seine Kultur und seine Menschen kennen lernen. Der Schüleraustausch soll dazu beitragen, die Bereitschaft zu Solidarität und Zusammenarbeit zu entwickeln und zu fördern und eventuell bestehende Vorurteile abzubauen.

Unvergessen bleiben die großen Theateraufführungen, Klassen- und Studienfahrten und die legendären „Winterfeste“ der SV in der Schenkenküche in Ovenhausen.

In Deutschland ist wie in ganz Europa ein Erstarken extrem rechter Positionen und Ideologien sowie extrem rechter Aktivitäten zu beobachten. Der Einfluss rechtsextremer Gewalt und des Antisemitismus auf das gesellschaftliche Geschehen ist in vielen Bereichen spürbar. In Seminaren wie „Wiederholt sich die Geschichte?“, „Wie erkenne ich den Rechtsextremismus?“ diskutierten Schülerinnen und Schüler den Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen bzw. zu jugendkultureller politischer Bildung.

Die Schulgemeinschaft aller drei Abteilungen wurde im September 2012 durch die großartige Romfahrt mit 1.500 Teilnehmern gestärkt. Diese Fahrt wurde 2019 in den Herbstferien wiederholt.